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Die Spinne und die Schwalbe

Jean de La Fontaine

„O Jupiter, der du auf neuartige Weise Aus deinem Hirn geheimnisvoll verstanden hast Die Pallas zu gebären, die mir Feindin war, Erhör mich einmal nur auf meiner Lebensreise:

Progne beraubt mich ohne Ruh und Rast Der Nahrung, da sie immerdar In Luft und überm Wasser jede Flieg erfaßt, Die mir gehören sollt; es wäre mein Gewebe

Der Fliegen voll, wenn's nicht den bösen Vogel gäbe, Denn gut gespannt und fest gewoben ist mein Netz.“ Also beklagte sich mit jammerndem Geschwätz Die Spinne, die voreinst berühmte Stickerin,

Die jetzt als Spinnerin die Beutenetze wob Und Anspruch auf das ganze Fliegenvolk erhob. Der Philomele Schwester schnappte weiterhin, Was vor den Schnabel kam, für sich und ihre Brut

In mitleidloser Freude, daß so groß und gut Der Appetit der Kleinen war, die nackt im Nest Mit offnen Schnäbelchen und gierigem Geschrei Ununterbrochen währte hier das Schlemmerfest,

Indes die arme Spinne dort Bald nur aus Beinen noch und Kopf bestand Und brotlos ihre Kunst befand. Und endlich trug die Schwalbe selbst die Spinne fort,

Im Flug die Fäden streifend, dran sie hing. Traurig das Ende, dem sie da entgegenging. Zwei Tische stellte Zeus bereit für jeden Stand: Am ersten speisen die, die wachsam, stark, gewandt;

Am zweiten, dran die Kleinen hocken, Gibt's nur der Großen Abfallbrocken.

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