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Die Kutsche und die Fliege

Jean de La Fontaine

Eine Kutsche mit schnaufendem Sechsgespann Fuhr einst eine starke Steigung hinan Auf schlechtem Weg in Sonnenglut. Sie stockte. Frauen, Mönche, Greise stiegen ab.

Da kommt eine Fliege her und tut, Als mache ihr Gesumm den Pferden frischen Mut Und sporne sie zu besserem Trab. Sie sticht das eine, sticht das andre, ist der Meinung,

Daß ihre wichtige Erscheinung Allein die Sache vorwärts bringe; Setzt auf die Deichsel, auf des Kutschers Nase sich, Als ob die Reise ohne sie nicht weiterginge.

So hilft sie hier, hilft dort, ist höchst geschäftiglich: Ein Adjutant, der überall Befehl erteilt, Damit die Truppe ihren Sieg beeilt; Beklagt sich, daß sie niemand unterstütze,

Daß ganz allein auf ihr die ganze Sache sitze, Daß einzig sie sich mit den Pferden quäle! Der Mönch liest sein Brevier – Daß der sich beßre Stunden dafür wähle!

Die Frauen machen gar Gesang – Gewiß war gar nichts wichtiger hier! Frau Fliege summt die ganze Reih entlang, Muß jedem ihre Meinung in die Ohren sagen.

Nach harter Müh ist oben unser Wagen. „Verschnaufen wir!“ sagt nun das Fliegentier; „Mein Gott, ich plagte mich bis zum Erschlaffen, Um unsre Leute hier heraufzuschaffen.

Also, ihr Herren Pferde, was bezahlt ihr mir?“ Ich kenne Ähnliches von vielen, Die immer die Geschäftigen spielen. Sie mischen sich in alle Dinge,

Als ob es ohne sie nicht ginge – Und sind nur ungelegen überall. Schmeißt sie hinaus mit Knall und Fall!

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