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1658

Der Löwe und der Esel auf Jagd

Jean de La Fontaine

Zur Feier seines Namenstages wollte Der Tiere König einen Jagdzug machen. Sperlinge sind kein Wild für Löwenrachen; Sein Wildpark, der die Beute liefern sollte,

War reich belebt von feisten wilden Schweinen, Rehwild und Hirschen mit geschwinden Beinen, Und daß die Jagd gelinge, bot der Grimme Den Esel auf, um seiner Stentorstimme

Sich bei dem Treiben zu bedienen. Der Löwe wies ihm seinen Platz, bedeckte Mit Laubwerk ihn und gab Befehl zu schreien, Gewiß, daß alle Tiere dann erschienen

Aus ihren Lagern, weil der Schrei sie schreckte, Der etwas Ungewohntes war im Freien. Und so geschah's. Der Lärm ertönte gräßlich, Entsetzen fiel des Waldes Gäste an,

Sie flohn – jedoch dem lauernden Tyrann Ins offne Maul. Der Fang war unermeßlich. Der Esel kam und prahlte stolzerfüllt: „Ich hab's geschafft, daß uns kein Schwanz entrann!“

Er tat, als falle ihm die ganze Ehre zu. Der Löwe sagte: „Gut gebrüllt! Und hätt ich nicht gewußt, daß einzig du, Ein Langohr, das Geschrei vollführt,

Ich hätte selber Angst verspürt.“ Der Esel schwieg, um seinen Zorn nicht zu verraten. Traf ihn des Löwen Spott nicht ganz mit Recht? Die Ruhmsucht paßt zu einem Esel schlecht,

So schlecht wie große Heldentaten!

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