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1670

Der 12. (57.) Kühlpsalm

Quirinus Kuhlmann

October, Wundermond! dein beider Rosenkäum, Mit dem in dir Jehovah mich beblümt, Erhitzet blutt und mutt zum neuem dankungsreim, Das stets davor Jehovah sei gerühmt.

Jehovah, der erfüllt, wi er es vorgesagt, Da alle Welt in Schlaf und nacht: Nun hat October recht, was man verlis, durchtagt, Und beide Rosen uns gebracht.

Auf Seelgeistleibewig, voll Rosenlilgenfrische! Auf, auf, im Rosenwald! Auf auf, im Lilggepüsche. Di Goldesrose sitzt auf dem Karfunkelthron; Stoltziret schön auf ihrem grünem sammt:

Führt als der Printzen Printz den Zepter, Hutt und Kron; Ansehlich ist das hohe Königsamt. So blüht Sophiensros in eines Christen hertz; Sehr herrlich ist ihr grüner reis:

Si durchkarfunkelt strakks der sinnen Sonnenkertz Mit Gotteslicht und Paradeis. Des Edens Königstuhl scheint gleichsam neu verschinen, Weil alle Weltgeschöpff im innerm Reich ihr dinen.

Di Goldros ist beschwärtzt neunhundertsechtzig stund, Eh si ihr Eis auf ihrer Speis anlilgt: Si sinkt und steiget auf, bald oben, bald im grund, Wächst klarsüs aus, ihr Feind ist ausgetilgt.

Sophiensrose wird wi Christus Christversucht, Bis si den Feind hat weggeschafft: Dann nahen Engel sich, der Sig ist ihre frucht, Si nimmt aus Erd und himmel krafft;

Wächst in dem Eden fort; fängt liblich anzublinken: Wird himmlisch durchgesüsst nach ihrem untersinken.

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