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1802

Gebet

Theodor Körner

Deine Sonne, Herr des Himmels, Schmilzt den Schnee von deinen Bergen, Bricht mit rosiger Verklärung Durch der Nebel düstern Schleier,

Trägt den milden Hauch des Tages Siegend aus dem Kampf der Nacht. Deine Sonne, güt'ger Vater, Lockt die Knospe aus dem Kelche,

Taucht die jungfräulichen Blätter In das zarte Rot der Sehnsucht, Küßt des Taues Thränenperle Lächelnd aus dem Blütenkelch.

O, so führe deine Liebe Aus der Nebel düst'rem Schatten Mir herauf den goldnen Morgen, Locke meines Herzens Keime,

Küsse mir vom matten Auge Meiner Sehnsucht Thräne ab! Oder pflanze mir die Rosen Schattend über meinem Hügel,

Daß der Blütendorn der Liebe, Der den Lebenden verwundet, Fest verzweigt mit der Cypresse, Doch den Toten kühlen muß!

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