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1791–1813

Auf dem Schlachtfelde von Aspern.

Theodor Körner

Wo der Deutsche seine Kraft verbürgte, Heil'ger Boden! dich grüßt mein Gesang! Frankreichs stolze Adler sahst du zittern, Sahst des Wüthrichs Eisenkraft zersplittern,

Die sich frech die halbe Welt bezwang. — Euch! ihr Manen der gefallnen Helden, Deren Blick im Siegesdonner brach, Ruf' ich in den Frühling eurer Welten

Meines Herzens ganzen Jubel nach. Daß ich damals nicht bei euch gestanden! — Daß, wo Brüder Sieg und Freiheit fanden, Ich trotz Kraft und Jugend doch gefehlt!

Glückliche, die ihr den Tag erfochten, Ew'ge Lorbeern habt ihr euch geflochten, Zum Triumph des Vaterlands erwählt. — Schwarz und traurig wie auf Grabestrümmern

Wälzt auf Deutschland sich des Schicksals Macht, Doch begeisternd wie mit Sternesschimmern Bricht der eine Tag durch unsre Nacht. Sonnenhauch in düstern Nebeljahren!

Deine Strahlen laß uns treu bewahren, Als Vermächtniß einer stolzen Zeit. Ueberall im großen Vaterlande Von der Ostsee bis zum Donaustrande,

Macht dein Name alle Herzen weit. Aspern klingts, und Karl klingts siegestrunken, Wo nur deutsch die Lippe lallen kann. Nein Germanien ist nicht gesunken,

Hat noch Und so lange deutsche Ströme sausen, Und so lange deutsche Lieder brausen, Gelten diese Namen ihren Klang.

Was die Tage auch zerschmettert haben Karl und Aspern ist ins Herz gegraben Karl und Aspern donnert im Gesang. Mag der Staub gefallner Helden modern,

Die dem großen Tode sich geweiht, Ihres Ruhmes Flammenzüge lodern, In dem Tempel der Unsterblichkeit. Aber nicht, wie sie die Nachwelt richte,

Nicht die ew'ge Stimme der Geschichte, Reißt der Mitwelt große Schuld entzwei. Ihre Todesweihe lebt im Liede, Doch umsonst such ich die Pyramide,

Die der Denkstein ihrer Größe sey. Auf dem Wahlplatz heiligten die Ahnen, Ihrer Eichen stolze Riesenpracht, Und die Irmensäule der Germanen,

Sprach von der geschlag'nen Römerschlacht. In dem blutgen Thal der Thermopylen, Wo der Griechen freie Schaaren fielen, Grub's in Marmor ihrer Brüder Dank:

„wandrer! sags den kinderlosen Eltern „daß für's Vaterland auf diesen Feldern „sparta's kühne Heldenjugend sank! — “ Und Jahrtausende sind Staub geworden,

Jenes Marmors heil'ge Säule brach, Doch in triumphirenden Accorden, Riefen's die Jahrhunderte sich nach. Und erzählten trotz dem Sturmgetöse,

Ihrer Zeit von der Heroen Größe, Der Gefall'nen und von Sparta's Dank. — Groß war Griechenland durch seine Helden, Aber größer noch durch sein Vergelten,

Wenn der Bürger für die Freiheit sank. Jenseits lohnt ein Gott mit ew'gen Strahlen, Doch das Leben will auch seinen Glanz. Nur mit Ird'schem kann die Erde zahlen,

Und der Oehlzweig windet sich zum Kranz. Drum soll es die Nachwelt laut erfahren, Wie auch deutsche Bürger dankbar waren, Wie wir der Gefallnen That erkannt,

Daß ihr Tod uns Lebende ermuthet, Daß sie für Unwürd'ge nicht geblutet, Das beweise, deutsches Vaterland! — Deine Sänger laß in Liedern stürmen,

Und zum Steine füge kühn den Stein, Und die Pyramide laß sich thürmen Der gefallnen Brüder werth zu seyn. Nur glaub' nie, du schmücktest ihre Krone,

Wenn du deine goldnen Pantheone, Ueber ihre Grabeshügel wölbst! Stolzes Volk! — denkst du mit Marmorhaufen Deines Dankes Schuldbrief abzukaufen? —

Deine Kuppeln ehren nur dich selbst. Nur das Ew'ge kann das Ew'ge schmücken, Erdenglanz welkt zur Vergessenheit. Was die Zeiten brechen und erdrücken

Ist gemein für die Unsterblichkeit. Aber, Deutschland, um dich selbst zu ehren, Nicht den eignen Tempel zu zerstören, Den die angeerbte Kraft gebaut,

Zeig' dich werth der großen Todesweihe, Dich, Germania, in alter Treue, Männerstolze, kühne Heldenbraut! Friedlich Volk brich aus den kalten Schranken,

Warm und frei, wie dich die Vorwelt kennt. Auf den Feldern, wo die Adler sanken, Thürme deines Ruhmes Monument. Sieh umher bei fremden Nationen,

Wie sie dort ein muthig Werk belohnen, Wie der Marmor in den Tempeln glänzt. Jeder Sieg aus dunkler Wissenssphäre, Drängt sich in das Pantheon der Ehre,

Und der kühne Künstler steht bekränzt. — Aber giebt es einen Preis im Leben Wo hinan nicht dieser Kampf gereicht? — Gut und Blut für Volk und Freiheit geben,

Nenn' die That, die sich der That vergleicht! — Drum mein Volk, magst du den Aufruf hören, Oestreich! deine Todten sollst du ehren! Wer zum deutschen Stamme sich bekennt,

Reiche stolz und freudig seine Gabe, Und so baue sich auf ihrem Grabe, Ihrer Heldengröße Monument; Daß es die Jahrhunderte sich sagen,

Wenn die Mitwelt in den Strudel sank:

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