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1758–1818

Walder und Oda.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Walder. Oda, Oda, meine Früherwählte, Meine Langverlobte, meine Neuvermählte, Meine Eine, Eigne, Einzige!

Horch, sie schlägt, die heissersehnte Stunde; Ewge Weihe winket unserm Bunde; Wonne wird der Sehnsucht schmachtend Weh. Oda.

Walder, Walder, welche süsse Trauer Überwölkt mich! Welche Wonneschauer Überglühn dein Mädchen Guss auf Guss. Überwunden, Walder, überwunden

Sind der Treue schwüle Prüfungsstunden, Und ich küsse dich mit Gattinkuss. Walder. Also, Traute, bist du mein auf immer!

Mein für Zeit und Ewigkeit! und nimmer Reisst mich Zeit noch Ewigkeit von dir! Oda. Dein, Geliebter, bin ich, dein auf immer;

Dein vor Welt und Himmel. Nimmer, nimmer Trennen Welt und Himmel mich von dir. Walder. Aber Oda, meine Oda, sage:

Wirst du nach, wie vor dem Bundestage Mich auch lieben voll so lieb? so warm? Oda. Walder, Walder, du mein Früherwählter,

Du mein Langgewünschter, du mein Neuvermählter, Deine Frage weckt mir leisen Harm. Ahnet' ich nicht deines Geistes Tugend Schon im Knospen meiner Rosenjugend,

Schloss mich fest an dich, Geliebter, an? Wies zurück des Stutzers süsslich Heucheln, Blickte Hohn des Gecken ekelm Schmeicheln, Hing an dir, du deutscher, grader Mann?

Weiht' ich dir nicht meine schönsten Kräfte? Dachte dein bey jedem Tagsgeschäfte, Dein, wann Schlummer meine Wimper schloss? Dein, sobald des Morgens Rosenschimmer

Mich umstrahlten? dein, wenn seine Flimmer Blass der Vollmond in mein Fenster goss? O, wie oft an deine Brust gesunken, Und vom Kelch der Liebe wonnetrunken,

Sehnt' ich mich, erst ewig dein zu seyn! Heute, heute hab' ich dich erwunden; Und vollendet sind der Prüfung Stunden, Und mein Walder ist nun ewig mein!

Walder, Walder, du mein Theurerrungner, Mein nun ganz Umfangner, mein nun ganz Um- schlungner, Und du fürchtest, deiner Gattin Arm

Werde minder innig dich umschmiegen? Minder traut ihr Herz sich zu dir fügen? Ihre Brust dir klopfen minder warm? Walder nein, mit jedes Morgens Spriessen

Will ich inniger mich an dich schliessen; Will mich näher dir, mein Edler, nahn. Wie die Rebe um den Ulmbaum ranket, Mit ihm steigt und mit ihm niederschwanket,

Will ich dich in Freud' und Leid umfahn. Fest mich lehnend, Freund, an deine Rechte, Will ich mit dir durch des Lebens Nächte, Und des Todes Grauenthale gehn;

Nimmer von dir wanken, nimmer von dir lassen, Dir am Busen athmen, dir im Arm erblassen, Dir zur Seite schlummern, mit dir auferstehn! Walder.

Halt, Geliebte, deine Lieb' und Treue, Warm, wie Frühlingsodem, rein, wie Tempelweihe, Übermannet meine Mannlichkeit. Deine Lieb' ist stark, wie Mark der Jugend,

Seelelabend, wie der Wein der Tugend, Unverletzlich, wie ein Altareid. Welcher Friede, meine Vielgetreue, Welcher Freuden ungebrochne Reihe

Harret mein an deiner treuen Brust. Mögen Menschen und Verhängniss schmollen; Mögen Stürme stürmen; mögen Donner grollen: Dir am Busen blühn mir Trost und Lust.

Dir am Busen wär' die Welt voll Mängel Mir Elisium, der Mensch mir Engel, Und das Leben mir ein Jubelreihn; Wenn mich nicht der Nachtgedanke trübte,

Meine Oda, dass auch die Geliebte, Und die selge Liebe sterblich seyn! Der Dichter. Sollte Liebe mit dem Staube modern?

Ihre Flamme kerzengleich verlodern? Ihre Blüthe blätterngleich verwehn? Liebe, die in Herzensreinheit flammet, liebe, die aus bessern Welten stammet,

Mag nicht gar verlöschen, mag nicht gar vergehn. Zwar das Auge, das Empfindung blicket, Zwar die Hand, die sympathetisch drücket, Zwar der Mund, der Liebe lispelte, wird Staub.

Und der Unschuld helle Morgenröthe Und die Jugend, die Verschonung flehte, Wird des mitleidlosen Würgers Raub. Aber — Lichtgedanke! Wonneglaube! —

Aus des Aschenkruges stillem Staube Ringet sich ein lichter Funke los, Schwingt sich über Grab und Grabestrümmer Über Aldabarans stille Schimmer

In der ewgen Liebe sichern Schooss. Liebe rauscht in Edens hellen Palmen; Liebe jubelt in des Seraphs Psalmen, Und verschönert der Verklärung Glanz;

Lieb' ist Puls und Herz der Welten alle, Schürzet Siebensterne, ballet Sonnenballe, Flicht die Schöpfungen in Einen Kranz. In des Kranzes duftigem Gewinde

Thronet Gott der Liebe, mild und linde. Seine Braut ist die Unendlichkeit; Seinem Liebesblick entglimmen Sonnen; Seinem Inbrunstkuss entsäuseln Wonnen,

Und umfluthen seine Schöpfung weit und breit.

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