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1758–1818

Vergänglichkeit und Treue.

Gotthard Ludwig Kosegarten

O Ida, unsre schöne Flur Trägt trauernd der Verwesung Spur; O Ida, unser trautes Thal Steht wüst und öde, falb und fahl.

Rings saust der Herbstwind hohl und rauh; Zum Reif gefriert der Frühe Thau. Der Sonne blasses Angesicht Beglänzt den Reif, und schmelzt ihn nicht.

Des Tages Strahl ist müd' und blass. Es welkt das starrgefrorne Gras. Die Blume, die sich kaum erschloss, Verwelket duft- und farbelos.

Entblättert bebt der Espen Haupt. Der Liebe Laube steht entlaubt. Es tummeln gelb und roth und bunt Die Blätter auf dem schwarzen Grund.

Ach, alles, was dem Staub' entspriesst, Was blüht und reift, und Samen schiesst, Was einer Mutter Schooss gebar, Das welkt und kränkelt immerdar.

Noch steh' ich da in meiner Kraft, Das Herz entflammt von Leidenschaft. Mein Auge blitzt, mein Busen schwillt Von Hochgefühlen mild und wild.

Des Geistes rege Fantasie Schafft Welten und zertrümmert sie. Es schüttelt mein unruhig Herz Entzückung itzt, itzt Folterschmerz.

Mein schmelzend Lied, mein Hochgesang Weckt leises Weh und heissen Drang. Es klingt mein goldnes Saitenspiel Und um mich girrt und ächzt Gefühl.

Wie bald, und meine Kraft versiegt! Der Sänger schweigt. Der Sturmwind kriegt Um seine Asche. Leichenstill Liegt sein entsaitet Saitenspiel.

Noch blüht, mit jedem Reiz geschmückt, Der Mädchen Erste. Noch entzückt Mich ihres Wuchses schlanker Bau, Des sanften Auges Lasurblau.

Ihr blühend Antlitz roth und weiss Raubt Apfelblüthen ihren Preis, Und ihres Busens hoher Schnee Beschämt die Brust der Lilie.

Wie bald, und ihrer Schönheit Pracht Bedeckt des Grabes öde Nacht! An ihrer Fülle schwelgt der Wurm. Um ihre Asche kriegt der Sturm.

Ach, alles, was der Mond bescheint, Was lächelt und was Thränen weint, Was einer Mutter Schooss gebar, Das welkt und altert immerdar.

Nur Eines, Ida, altre nie! Es ändre und es kränkle nie! Das süsse Band, das uns umflicht, Das fas're und das reisse nicht!

Das schöne Band, das uns umschlingt, Der goldne Ring, der uns umringt, Das Zartgefühl, das uns entflammt, Und das aus Edens Garten stammt:

Das überwinde Grab und Tod! Es hemme, Schicksal, dein Gebot! Es trotze der Vergänglichkeit, Und dauer' aus in Ewigkeit!

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