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1758–1818

Vanini's Hymne.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Durchweht von Dessen Odem, der ewig lebt, Von dessen Gluth gezündet, der nie erlischt, Entbrennt die Seele, schwingt den Fittig, Steiget in nimmererflogne Höhen,

Und strebet mühsam aufwärts zum Throne Dess, Den keine Zunge nannte, kein Hymnus sang, Den keine Schranke gränzt noch enget, Nicht des Beginns, noch des Endens Schranke.

Er ist der Wesen Urgrund, und ist ihr Ziel, Sein eigner ewger Urgrund, sein eignes Ziel, Beginnt, begränzt, beschränkt sich selber, Gränzenlos zwar, und beginn- und endlos.

Ganz, ungetheilt, untheilbar, und unverrückt, Erfüllt sein Wesen jeglichen Atomus Des ungemessnen Raums und jeden Stiebenden Tropfen des Zeitenstromes.

Ihn decken hohe Tempelgewölbe nicht. Ihn fassen nicht die Himmel, die Erden nicht. Frey, unumhüllet, ungefesselt Waltet und herrscht er im grossen Alle.

Sein Will' ist That. Wer steuert dem Mächtigen? Wer hemmt den Unrückrufbaren? Gross ist er Und gut; nicht mit der Messkunst Grössen, Nicht mit der Güte der Sittenlehren.

Stracks, flugs, im Hui geschiehet, was er gebeut. Das Weltall schlief des eisernen Nichtseyns Schlaf. Er rief: Erwache! Schnellerwachend Rafft' es sich auf, und erstaunt' und kniete.

Sein alldurchdringend Auge durchschaut das All, Und hegt und trägt, bewahret und wärmet es. Allmächtig herrscht sein Wink, allmächtig Waltet des Schrecklichen hohe Brane.

Dich fleh' ich, Guter! lächel' auf mich herab! Mit Demantketten binde mich fest an dich! Bey dir, bey dir ist volle Gnüge, Einzig bey dir, und bey keinem andern!

Wohl dem, der dich ergreifet, an dich sich hängt, An dich sich innig schmieget, dich fest umflicht! Dich habend, Vater, hat er alles, Alles, was sättigt, und was beseligt.

Du, du entzeuchst dich keinem, der dein bedarf. Freywillig schenkst du jeglichem jegliches. Dich selbst, der war, und ist, und seyn wird, Ewiger, schenkst du dem frommen Fleher!

Du bist dem Müherliegenden Nerv' und Mark, Und bist dem Klippenscheiternden Bucht und Port, Und bist der durstgeborstnen Lippe Lechzender Wanderer Quellenkühle.

Du bist der Arbeitseligen süsse Ruh, Bist unsren Busen Frieden und Freudigkeit, Bist jeder Schönheit Urgebilde, Jeglicher Treflichkeit ewge Urform,

Bist Zahl und Maass, und Zirkel und Harmonie, Und Pracht und Ordnung, Hoheit und Majestät, Bist unsre Wonne, unsre Wollust, Unsre Ambrosia, unser Nektar.

O du, der Wahrheit Richtscheid, des Rechtes Norm, Des Guten Bleyschnur, heiliges Urgesetz, Du unsre Hoffnung, unsre Weisheit, Leuchtende Fackel des irren Geistes,

Glanz, Lichtstrahl, Würde, Hoheit, wie sing' ich dich! Licht, Liebe, Leben, Labsal, wie feyr' ich dich! Der Summen Summe! All des Allen! Einziger, Ewiger, Grösster, Bester!

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