Ich liebe dich, Salem, dich lieb' ich vor allen, Wer möchte, wer dürfte wohl sonst mir gefallen? Dich hab' ich, dich halt' ich; dich will ich um- fassen,
Will fest dich umschlingen, will nimmer dich lassen. Geliebte, du wähnest, mich könne nichts trüben; Drum magst du wohl herzlich, wohl innig mich
lieben. Doch, wenn sich der Himmel der Liebe 'mal trübte, Wie ständ' es ums Lieben, du Inniggeliebte? Wohl ewiges Leuchten, wohl ewige Wonne,
Ist Salem dein Lieben. Doch hülle die Sonne Der Liebe in Wolken; lass stürmen und wehen; Ich werde — wie leichtlich — die Probe bestehen. Geliebte, mein Lieben bringt köstliche Gaben.
Ach, magst wohl so lieb um die Gaben mich haben. Doch, wenn ich die Gaben dir künftig verhielte, Wer weiss, ob die brünstige Liebe nicht kühlte?
Ich liebe den Geber, ich liebe die Gaben. Doch, sollt' ich den Geber nicht lieber noch haben? Lass fahren die Gaben! lass schwinden die Freu-
den! Das wird mich von dir, mein Erwählter, nicht scheiden. Doch, wenn ich ins Dunkel der Armuth dich
stiesse, Und darben und zappeln und zagen dich liesse, Nicht hörte dein flehendes Rufen und Schreyen: Dann würdest du wohl dein Lieben bereuen.
Mein Salem, mein Trauter, so kannst du nicht wähnen. Bist du nicht mein Seufzen, mein Schmachten und Sehnen?
Was frag' ich nach eiteln, vergänglichen Schätzen, Bleibst du mir, mein Reichthum, mein Seelenergötzen! Doch wenn ich, erwäg' es, beherz' es, o Seele, Sprich, wenn ich der Ehre helle Juwele
Dir raubte, dich stürzte in Schmach und Schande: Dann rissen wohl, Freundin, die zärtlichen Bande. Lass drohen Verachtung und Schmähung und Schande!
Das reisst nicht die zärtlichen, ewigen Bande. Was acht' ichs, ob Menschen mich schmähen und höhnen, Wenn Myrten der himmlischen Liebe mich krönen!
Ich glaub' es, ich weiss es; ich kenne dein Lieben. Auch werd' ich so schmerzlich dich schwerlich be- trüben. Doch wenn ich, damit sich die Liebe bewährte,
Mit Ketten im grausen Verliess dich beschwerte, Wo nimmer das dumpfige Dunkel verwallte, Wo nimmer ein tröstendes Lächeln dir schallte, Wo Schlangen und schwellende Nattern verweilten,
Und Eulen aus ängstlichem Schlummer dich heulten! — O Salem, mein Salem, o würd' ich erfunden So würdig, zu tragen in Kerker und Wunden Die Ketten der Liebe: wie würd' ich sie küssen,
Und dichter an dich, mein Geliebter, mich schliessen! Wenn aber die Lieb' auf die Folter dich streckte, Und Tod mit hellfunkelnder Sichel dich schreckte: Wie ständ' es, Geliebte, im Todesverzagen?
Dann würdest du wohl dem Geliebten entsagen. O Salem, mein Salem, das kannst du nicht wähnen; Du kennest, du weissest mein inniges Sehnen.
Ach, würd' ich gewürdigt, so selig zu sterben, Wie würd' ich die Palme mir jauchzend erwerben! Ich würde mich fest um den Bräutigam schmiegen, Und mächtig die Schrecken des Dräuens besiegen.
Ich würde nicht wanken vom Lieben und Glauben. Wer wollte mein Leben, mein Lieben mir rauben? Ich weiss es, ich glaub' es; ich kenne dein Lieben.
Auch werd' ich so schmerzlich dich schwerlich be- trüben. Doch, wenn ich den Becher der Liebe vergällte, Den Rücken dir kehrte, und fremde mich stellte;
Dann würden dich höhnen die jauchzenden Rotten, Sie würden mit giftiger Lache dein spotten. Du würdest wohl anfangs dich härmen und grämen,
Bald aber des wankenden Liebsten dich schämen. Mein Salem, du kannst nicht von Herzen be- trüben; Das wüsst ich — drum würd' ich nicht müde, zu
lieben. Ich würde dir folgen mit Seufzen und Sehnen; Ich würde dich flehen mit blutigen Thränen. Doch, wenn ich nun wimmern und flehen dich
liesse, Und zornig hinab zum Abgrund dich stiesse; Dann würdest du denken: Er hat mich verlassen! Und drunten mit grimmigem Hasse mich hassen.
O Salem, mein Salem, das kannst du nicht wollen. O wehe! zum Abgrund mich stossen zu wollen! Wie könnte mein Salem sein theures Versprechen,
Den Eid der Verlobung, der Liebenden brechen! Wer hat dir gelobet? Wer hat dich geliebet, Verworfne, die stündlich mich bitter betrübet! Ich liebe die Reinen, ich segne die Frommen;
Doch Bosheit darf nie vor mein Angesicht kom- men. Ists möglich! . . . mein Salem . . . ach, kannst du ergrimmen? . . .
Wie beb' ich, wie zittr' ich der zürnenden Stim- men! Sieh her, mein Geliebter! mein Kleid ist ge- waschen;
Rein ward es im Thau der Versöhnung gewa- schen. Wess heiliges Blut hat die Liebe gefluthet? Wer hat mir Versöhnung und Frieden erblutet?
Wer gab sein Verdienst mir zu bräutlicher Seide? Sein heiliges Leben zum Hochzeitgeschmeide? Mein Salem, mein Retter, du kannst mich nicht hassen.
Dich hab' ich, dich halt' ich; dich will ich um- fassen. Ach sieh! wie ich ring' im Glauben und Lieben! Ach kannst du, ach willst du in Ernst mich be-
trüben? Ich kann nicht, ich will nicht. Es ist dir ge- lungen. Unsterbliche Seele, du hast mich bezwungen.
Ich liebe dich ewig; ich will dich nicht lassen. Komm, Theuererrungne, komm, lass dich umfassen! O Wonne, du Starke! O Liebe, du Süsse! Mich brennen, mich schmelzen die brünstigen
Küsse. Wie beb' ich! Wie fühl' ich die schlagenden Wellen Den seligkeitfluthenden Busen mir schwellen! Sey treu, du Geliebte, sey treu bis ans Ende,
Bis dass ich den rufenden Bothen dir sende. Dann eil' und entreiss dich dem irdischen Harme, Und wirf dich in meine heissharrenden Arme. Dann sollst du von Antlitz zu Antlitz mich
schauen; Dann will ich mich ganz dir und ewig vertrauen; Dann will ich dich kleiden in bräutliche Seide, Dich schmücken mit festlichem Hochzeitgeschmeide.
Dann soll die Myrte des Bundes dich kränzen, Der Ring der Verlobung am Finger dir glänzen; Dann will ich den Kuss der Verlobung dir küssen, Und Braut und Vermählte und Gattin dich grüssen.
Ach Retter, ach eil' und entreiss mich dem Harme Der langen Verbannung mit mächtigem Arme. Mich lüstet, dein seliges Antlitz zu schauen, Und ganz mich und ewig dir anzuvertrauen.
Ach eil' und entreiss mich dem nichtigen Tande! Mich lasten, mich pressen die ängstenden Bande. Mich dürstet, mich inniger an dich zu schmiegen, Und wonneberauscht dir am Busen zu liegen.
Ich liebe dich ewig, ich will dich nicht lassen, Will täglich und stündlich dich dichter umfassen. Ach, eil' und entreiss mich dem schmachtenden Harme, Und nimm mich in deine heissharrenden Arme.
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