Rina, reiche mir die Rechte! Leite durch des Lebens Nächte Mich ins helle Vaterland. Durch der Erde Distelpfade
Leite bis ans Grabgestade, Freundin, mich an sanfter Hand. Doch nicht lauter nächtlich Grauen Hüllet unsrer Wallfahrt Auen;
Disteln zeugt nicht jedes Feld. Sonnenschein und Regenschauer, Licht und Schatten, Freud' und Trauer Wechseln stets auf unsrer Welt.
Alle Freuden, die uns spriessen, Rina, wollen wir geniessen; Jedes Blümchen, das uns winkt, Jede Kühlung, die uns fächelt,
Jede Tröstung, die uns lächelt, Jeden Schimmer, der uns blinkt. Mit des Tages süsser Frühe Wollen wir zu eurer Mühe
Muthig und getrost erstehn. Mit des Abends linder Kühle, An dem rasch erstrittnen Ziele, Soll uns holde Ruh' umwehn.
Ferner Stürme dumpfes Grollen, Aufgewühlter Wogen Grollen Dämpfe, Freundin, deine Huld. Reste meiner Flammenjugend
Zähme deine stille Tugend, Deine siegende Geduld. Sorgsam will ich meine Freuden Mit dir theilen, alle Leiden
Zärtlich tragen, die dir nahn. Männlich will ich dich beschirmen, Will in Ungestüm und Stürmen Dich mit festem Arm umfahn.
Wann erdonnern alle Festen, Wann erblitzen Ost und Westen, Halte fest dich, fest an mich! Pole schwanken, Achsen splittern,
Erden taumeln, Himmel schüttern — Meine Rechte stützet dich; Gottes Rechte meine Rechte! Unbesiegte, ungeschwächte,
Hehre Kraft, Religion! Weihe, Himmelsbothin, weihe Mich und meine Vielgetreue Dir zur Tochter, dir zum Sohn!
Mit der schirmenden Egiden Sicher' unsrer Tage Frieden, Läuter' unsre Leidenschaft, Schatt' uns in der Mittagsschwüle,
Wärm' uns in der Winterkühle, Flügle uns zu That und Kraft! In des Lebens furchtbarn Engen, Wenn uns Welt und Schicksal drängen,
Schwinge deinen weissen Stab. Zeig' uns über Sonn' und Sternen Jene lichten, weiten Fernen, Sonder Sorgen, Gram und Grab.
An des Lebens schroffem Rande, Wo zerreissen alle Bande, Wo der goldne Trauring bricht, Wo uns alle Tröster lassen,
Alle Schimmer uns erblassen — Himmlische, verlass uns nicht! Reich' uns deine Strahlenrechte! Leite durch des Lebens Nächte
Uns ins helle Vaterland! Wo der Tugend Kronen glänzen, Wo die Treue Kränze kränzen, Welche der Belohner wand!
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