Ida, Ida, meine Liebe, Meines Grames Trösterin, Trübe sieht der Himmel, trübe, Trüber mein umflorter Sinn.
Mancher öde Tag ist schwunden, Manche düstre Nacht verfloss, Seit ich, deinem Arm entwunden, Nach dir lechze, letzelos.
Sonst erquickten deine Blicke Mich, wie Mayen-Sonnenschein; Deine Winke, deine Nicke Bebten mir durch Mark und Bein;
Deines Athems duftend Wehen Kühlten meiner Inbrunst Gluth; Deiner Stimme rührend Flehen Stillte meine wildste Wuth.
Deiner Hand beredtes Drücken, Deiner Lippen Honigkuss, Dein Umfangen, dein Umstricken, Deiner Schöne Vollgenuss,
Dein Umflechten, dein Umranken, Arm in Arm, und Brust an Brust, Heilte ganz den Sehnsuchtkranken, Tränkte mich mit Edenslust.
Aber itzt erwacht der Morgen; Und die Hoffnung, dich zu sehn, Lindert nicht mein zärtlich Sorgen, Nicht der Trennung heisse Weh'n.
Ich durchschwärme trüb' und traurig Brach und Thal, und Wald und Flur, Und die Welt dünkt mir so schaurig, Und ein Grabmahl die Natur.
Gottes Sonne steigt und sinket, Gottes Spätroth blüht und blasst, Aus milchweissen Wolken winket Luna mir zu süsser Rast.
Aber ach, der Ruhe Fächeln Kühlt nicht meines Busens Gluth; Kühlen mag sie nur dein Lächeln, Nur dein Kosen, hold und gut. —
Ida, Ida, meine Liebe, Meines Grames Trösterin, Ist dir auch so nebeltrübe, Auch so dumpf, und schwer zu Sinn?
Denkst du auch in deiner Ferne Deines Lieblings? Denkest mein, Liebliche, beym Glanz der Sterne, Bey Aurorens rothem Schein?
Möchtest du wohl zu mir fliegen? Möchtest, Theure, matt und krank, Mir am treuen Busen liegen, Nur Ein selig Stündlein lang?
Möchtest an mein Herz dich drücken, Und mit Freuden süss, so süss, Mich entzücken, mich entrücken In der Liebe Paradies? — —
Schwindet, schwindet, öde Tage, Die ihr mich von Iden trennt! Eil', ach eile, Tag der Tage, Der mir Iden wieder gönnt!
Eil', ach eil', und blass von Harme, Zitternd zwischen Wonn' und Schmerz, Stürz' ich Iden in die Arme, Sink' ohnmächtig ihr ans Herz.
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