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1758–1818

Letztes Lied.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Bin ich schon der Erde Qual entbunden? Schlägt das kranke Herz gehaltnern Schlag? Schöne Seele, du hast überwunden, Und erröthend ringt dein Freund dir nach.

Opfern will ich dir mit Kampf und Thränen — Nicht die Flamme, welche mich durchflammt — Aber jedes ungestüme Sehnen, Was von niedrer Erde stammt.

Liebend, Lieblingin, an dir zu hangen, Edlen Zutrauns voll mich dir zu nahn, Mit Bewunderung dich zu umfangen, Mit Begeisterung dich zu umfahn,

Mit der Inbrunst trunkenem Entzücken Zu der Wangen bleichem Morgenroth, Zu der Augen Himmel aufzublicken — Wehret keiner Pflicht Verbot.

Sollte je in mir der Zug erschlaffen, Der mich hinzieht zur Vortrefflichkeit? Sollte mich ein Gott mit Blindheit strafen Für die Schönheit und Vollkommenheit?

Sollt' in mir die hohe Gluth verlodern, Ohne die ich feig' im Staube schlich? Sollt' in mir das Göttliche vermodern? — Ewig, Edle, lieb' ich dich.

Aber sorgsam kühlen, emsig dämpfen Will ich jede stürmische Begier. Jeden leisen Wunsch will ich bekämpfen, Jede Selbstsucht bannen fern von mir.

Ritterlich will ich den Trieb bekriegen, Seinen Stürmen tapfer widerstehn. Ich gelob' es: Glorreich will ich siegen, Oder glorreich untergehn!

Lächle nur, o Seele meiner Seele, Lächle mir bisweilen tröstend zu. Blicke Kraft mir in die müde Seele Aus dem Auge voll erhabner Ruh.

Wenn die Schwüle mir den Athem hemmet, Reiche huldreich mir die theure Hand. Wenn das dumpfe Daseyn mich beklemmet, Zeige mir das helle Land,

Wo der Leidenschaft Tumulte schweigen, Wo kein Sinnenrausch den Geist verwirrt; Wo Entzücken in den Blüthenzweigen, In den Blumenkelchen Liebe girrt;

Wo berauscht vom Duft der Ambramatten, Aufgelöst vom Zauber des Gesangs, Seelen selig sich zu Seelen gatten, Ledig jedes Fesselzwangs.

Wo am Busen seiner Coucy seines Herzens Sehnsucht letzt; Wo Sich an

Wo von ihrem Heloise jeden Wunsch verneint; Und von Julius Entzücken weint . . .

Aber bis des Lebens Hefen sinken, Bis das Maass der Erdenqualen voll, Bis uns Lethens Blumenufer winken, Fahre wohl, Geliebte, fahre wohl!

Fahret wohl, erhabne Schwärmereyen, Dämmerungen, hohen Ahnens voll, Goldne Träume, seidne Fantaseyen, Fahret wohl, auf ewig wohl! . . . .

Aller Qualen wär' ich schon entbunden? Jede Fehde wär' hinweggethan? Von der Erde Ketten losgewunden Flög' ich schon der Freiheit Adlerbahn?

Nein, ach nein! In jeder Nervenfaser Zuckt noch des Entsagens herber Schmerz, Und aus jeder losgerissnen Zaser Blutet das zermalmte Herz.

Dennoch will ich das Gelübde halten, Treulich halten den geschwornen Schwur; Möge gleich das Herz sich sträubend spalten, Schaudernd weg sich wenden die Natur!

Mannlich will ich meinen Schmerz bekriegen, Schweigend dulden des Verläugnens Schöne Seele, glorreich will ich siegen, Oder glorreich untergehn.

Trotz geboten sey des Schicksals Grimme Trotz des Todes dumpfem Donnerschritt! Weiss ich doch, dass eine leise Stimme Tief in deinem Innern mich vertritt!

Mag doch ewig nicht das Band zerstieben, Das an dich mich kettet, dich an mich! Ewig, Treffliche, wirst du mich lieben! Ewig, Edle, lieb' ich dich!

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