O Liebe, Bund der Herzen, Der Geister Symphonie, Kelch wollustreicher Schmerzen, Quell hoher Energie,
Palladium der Tugend, Religion der Jugend, Medeenbad des Alters — Verlass, verlass uns nie.
Erleucht' uns, Glanz aus Eden, Der Erde Wüsteneyn! Schlicht' ernst und mild die Fehden, Die unser Ich entzweyn!
Wann auf des Lebens Wege Wir schleichen matt und träge, So stärke du die Matten Mit deinem Labewein.
Enträthsle uns die Ziffern Der aufgerollten Flur, Des Himmels goldne Chiffern, Das Sanskrit der Natur.
In Formen, Farben, Tönen, Im Guten, Wahren, Schönen, Enthüll' uns leis' und liebend Des Demiurgos Spur.
Gib Hochsinn, zu verschmähen, Was unsre Würd' entweiht; Gib Weisheit, auszusäen, Was körnerschwer gedeiht;
Gib Freudigkeit zu wandeln, Zu dulden und zu handeln, Wie es der Gott im Busen, Wie es die Pflicht gebeut!
Und wann Gewitterodem Die bange Brust beklemmt; Wann schwerer Schwefelbrodem Der Wandrer Athem hemmt;
Wann rings die Festen wanken, Der Erde Säulen schwanken, So lass uns ruhig lächeln Auf deinen Stab gestemmt.
Und wann wir einst vom Gipfel Der Wallfahrt niederschaun Auf abgeblühte Wipfel, Und tiefverschneyte Au'n;
Wann rings auf Schutt und Trümmern Geliebte Schatten wimmern, Geheimes Graun uns schüttelt, So banne du das Graun.
Und wann wir nun am Rande Des öden Diesseits stehn, Und zu dem stillen Lande Hinüber sehnend sehn;
So lächl' uns, Glanz aus Eden, Und durch des Hades Öden Lass sel'ger Ahndung trunken In jene Fern' uns gehn;
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