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1758–1818

Hymne an das Eisen.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Heil dir, Mark der Natur, der gabenspendenden Erde Stilles Erzeugniss, doch gross von Kraft und herrlich Nimmer rühmt' ich das Gold, und dein, jungfräuli- Dacht' ich nimmer im Liede. Dir aber, Preis der

Will ich Ehre verleihn, und deine Tugenden singen. Heil dir, ältestes Kind der Gebürg'! und ihr edel- Erstgeborner im Reiche der vielgestalteten Erze. Schon in der Dinge Beginn, als die uranfänglichen

Jegliches Stoffes trächtig die kraysende Erde noch Schwebtest du in dem unendlichen Meere, geselltest Zu dem Gesäme des Quarz, zu des Feldspath binden- Schwärztest den ernsten Schörl, durchblinktest die

Härtetest, heilige Kraft, die Granitgerippe des Aber zu rasten vermochtest du nicht mit dem Nicht zu bändigen taugte den Trotz des Titanen der Noch der Sudeten Gewicht, das schwer auf die

Tief aufstöhnend enthobst du der Last dich; aus Quollst du hervor, ein Feuerstrom, gerannst zum Pflastertest Riesenweg', und wölbetest Grotten des Rastlos gährt' es indess in des Meers arbeiten-

Niederschlugen die Lager der Erden, des Thons und Wechselnde Schichten. Wer sprengte die Mächtigen? Höhlt' im gediegenen Flötz der Gäng' und Minen Labyrinthisch Geklüft? Du thatest es, Heros! Und

Dich zu entwinden dem spähenden Blick helläugiger Wähltest du dir zum geheimeren Sitz das verborgne Lauschest dort in des Dunkels Schirm in mancher Bald gelüstet es dich, als Druse zu blinken. Be-

Birgst du ein anderes Mal dich in unscheinbarer Tropfest itzt 'gar die Teufe herab ein nichtiges Blühest als Blume dann, und schossest ein ästiges Tausend sind deiner Launen und deiner Verlar-

Dennoch fessl' ich dich, Proteus, mit mächtigem Zau- Dich ertapp' ich im wilden Gestein, in der bläulich- Dich in des Schmirgels zäherem Korn, im flüchtigen Freundschaft pflegst du mit jedem Genossen der wu-

Willig gesellen sich dir die minder edleren Aber nur ungern gehorcht dir der Sol; die züchtige Wegert sich lang; es sträubt sich verschämt die keu- Kühner Ares, du steigst hinab in der schüchter-

Heimliche Grotte. Verwegen umschlingst du die Blö- Sinket sie dir in den brünstigen Arm. Der Umar- Heilende Quellen. Des Heiltranks schlürft sehnsüch- Fühlt sich das Herz erfrischt und gestählt die erschläf-

Heil, Dämonischer, dir Regenbogengewand und der Farben magische Gaukel. Dir verdanket die glühenden Tinten die schillern-

Dir der Saphir den Lasur, der Amethyste den Dir der Smaragd sein spielendes Grün, sein Gold der Dir der Rubin die leuchtende Gluth, die wechseln- Danket dir der Opal, drinn des Aethers Launen sich

Treflicher Künstler, wie mahlst, wie schattirst du die Schöpfung der Pflanzen! Dir nur danket der lachende Frühling sein duftiges Dir den brennenden Kranz die Feuerblume. Des

Duftkelch glühet durch dich. Der chalcedonischen Lodernde Flammen zündest du an. Der züchtigen Leihst du den Incarnat, der Götter entzücket und Glanz und Heitre verleiht dein fröhlicher Pinsel

Edleren Formen. Das Rad des Pfauen, des Schmet- Tauchst du in nimmer verblassende Tinten. Es dan- Dir den smaragdenen Hals, den schimmernden Fittig Jedes Kügelchen färbst du des lebennährenden

Glühest herauf auf brauner Wange des rüstigen Hauchest die Jungfrau an mit des Frühroths leisesten Heil, Dämonischer, dir! Nicht bloss der schaf- Dienst du ein frommerer Sohn in ihrer geheimeren

Auch der Cultur, der Lebenverschönernden, streben- Förderst du unverzagt, ein tausendrädriges Trieb- Heil dir, nutzendes Erz! Aus des Schachtes täu- Mühsam zu Tage gefördert, zerrieben im hammern-

Reingeschmolzen durch Ofengluth von jeglicher Wer mag zählen die Formen, die nutzenden, schmük- Die durch der Esse Gewalt, durch des Hammers Nagenden Zahn aus dir die Hand des Fleisses her-

Dein ist, friedliches Erz, die Pflugschaar, welche Lockert, den strengeren Kloss bereitet, dass er des Goldenen Regen empfang', und ihn getrenlich be- Dein die blinkende Sense, von deren Klinge getroffen

Niederrauschet der Schwad des vollgekörneten Dein des Winzers Hippe, die leise vom blutenden Löset die glühende Traube, den Quell nektarischen Du, vom magnetischen Strom ergriffen, geleitest den

Sicher durch Meere, die Cook nicht kannte, nicht Birgt gleich der Nordstern sich, und des Wagens Dein ist, schützendes Erz, das Schwert, das das Dein das donnernde Rohr, mit dessen Toden die Freyen

Niederschmettern der Feigen Volk in brüllender Jedes Geräth' ist dein, des wundenkundigen Jegliches, welches die Plagen des Siechenden mildert; Welches die schwellende Ader erleichtert; der lüf-

Welcher des Denkens Organ des Drucks entbürdet; Die in des Auges Tiefe den wölkenden Tropfen Dass dem entflorten Stern der Weltbau strahlend Heil dir, verschönerndes Erz, auch der Kunst,

Welche den Stoffen Gestalt verleihet und Seele dem Auch der Lieblichen jüngrer, wiewohl tiefsinng'rer Auch der Wissenschaft dienst du, ein ewig ändern- Dein gehöret der Stahl, der Apollons göttliche

Der Laokoons stöhnenden Schmerz aus dem Marmor Dein der Meissel, durch den aus rohem Blocke der Zierlich schlanke Gestalt mit krausem Schnirkel em- Dein der Griffel, der dreist auf sprödem Kupfer

Weichesten Reiz nachahmt, und Guido's frischeste Dein der Verfinsterer Schrecken, die tausendzüngige Welche des Weisen Wort den lauschenden Völkern Mächtig am Throne rüttelt des Despotism und der

Heil dir, Kronions Geschenk, der Gesellschaft Erstes der Erze und Letztes! Vor deinen strahlen- Will ich singen dein Lob und deiner Preise gedenken!

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