Hulda, fühlst du auch diess Beben, Dieses Ahnen, dieses Streben, Dieses Schauern, Schlag auf Schlag? Täuscht mich nur erträumte Wonne,
Oder röthet uns die Sonne Wahrlich heut den Bundestag? Ja, mein Holdy, unser Sehnen, Unser Harren, unsre Thränen
Sind dem hohen Lohne nah. Holdy, Holdy! ach, der lange Hergesehnte, heiss und bange Hergeweinte Tag ist da.
Wie erbebet, meine Beste, Wie erschüttert meine Feste! Werde leiser, Sturm der Lust! Herz, ach Herz, zerschmilz in Thränen!
Dieses Schwellen, dieses Sehnen Sprengt mir sonst die wunde Brust. Du in deinem Brautgeschmeide, Deiner hochzeitlichen Seide,
Sey mir tausendmal gegrüsst. Du in deinen Flammenblicken, Deinem Bräutigamsentzücken, Sey mit Brautkuss mir geküsst.
Hulda, Hulda! meine Eine, Meine Süsse, meine Reine, Bist du wahrlich ewig mein? Ja, mein Liebling, mein Erwählter,
Mein Verlobter, mein Vermählter, Ewig bin ich, ewig dein. Komm' in meinem Arm, Geliebte! Lass mich dir ins stillgetrübte,
Dunkelbraune Auge sehn. Lass der Liebe heilgen Odem, Warm und lieb, wie Mayenodem, Warm und duftig mich umwehn.
Lass mich, dir ins Antlitz blickend, Innig an mein Herz dich drückend, Meiner schönen Wahl mich freun! Lass uns, Hand in Hand geschlossen,
Lass uns, Herz in Herz ergossen, Unsern Schwur noch eins ereun. Holdy, Holdy, mein Erwählter! Mein vor Gott und Welt Vermählter!
Warum unsern Schwur erneun? Darf es, dass ich dir geboren, Dass mein Herz nur dich erkohren, Darf es Schwurs, mein Herz sey dein?
Himmel wird durch Sturm geheitert, Gold durch Feuersgluth geläutert, Liebe wird durch Weh bewährt. Holdy, Holdy! unsre Liebe
Ward durch Stunden hell und trübe, Ward durch Lust und Schmerz bewährt. Denk zurück an jene Stunden, Wo ich, ach, zuerst empfunden,
Dass ich dir geboren sey! Denk an jedes süsse Bangen, Jedes heimliche Verlangen, Jede dunkle Träumerey.
Denk an jedes leise Ahnen, Jedes Wähnen, jedes Schwanen, Jedes heissre Wangerglühn, Jedes seelevolle Blicken,
Jedes blöde Händedrücken, Jedes Bleiben, jedes Fliehn. Denk, ach, wie ich liebetrunken An dein schlagend Herz gesunken,
Schauernd zwischen Wonn' und Weh, Unter deinen durst'gen Küssen, Unter milden Thränengüssen, Dir mein Lieben stammelte.
Denk an all die bangen Tage, Die ich in verschwiegner Klage, Fern von dir, um dich durchrang; Denk an all die öden Nächte,
Wo mein Haupt und meine Rechte Thränenmüde niedersank. O mein Liebling, mein Erwählter, Mein Verlobter, mein Vermählter,
Darf es Schwurs, mein Herz sey dein? Nein, du Treue, nein du Eine, Meine Süsse, meine Reine, Nein, dein Herz ist ewig mein.
O, wie will ich dir am Arme, Trotz des Lebens Müh' und Harme, Fröhlich durch das Leben gehn! O, wie will ich dir zur Seiten
Muthig kämpfen, muthig streiten, Tapfer jeden Sturm bestehn! Mit dir jauchzen, mit dir klagen, Mit dir dulden, mit dir tragen
Will ich Lebenslast und Harm. Von dir wanken, von dir lassen, Will ich nimmer, will erblassen, Theurer, dir im treuen Arm.
Mit dir will ich nach der Schwüle Strecken in des Grabes Kühle Pilgerkleid und Pilgerstab. Schlummern will ich sonder Klage,
Schlummern bis zum jüngsten Tage Dir zur Seite, Grab an Grab. Wenn der jüngste Tag drommetet, Wenn das ew'ge Licht sich röthet,
Will ich mit dir auferstehn; Will, vom Kelch der Seligkeiten Trunken, Theure, dir zur Seiten Durch die Myrten Edens gehn.
O mein Liebling, mein Erwählter, Mein Verlobter, mein Vermählter, Ewig bin ich, ewig dein. O Geliebte, o du Eine,
Meine Süsse, meine Reine, Ewig bist du, ewig mein. Bund der Liebe, Bund der Weihe, Bund der heilgen Ehetreue,
Blüh' in Frieden keusch und rein! Väter, Mütter, Schwestern, Brüder, Engel, Himmel, schauet nieder, Segnet unser Bündniss ein!
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