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1758–1818

Frühgesang.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Der Aufgang flammt. Der Abend steht düsterblau. Im klaren Äther schwimmet erblasst der Mond; Denn schon erblühn Aurorens Wangen, Thauend und frisch, wie die deinen, Rosa!

Erwacht, ihr Leben alle! Lobsingt dem Herrn! Lobsing' ihm, Lerche, Drossel und Nachtigall! Brüllt euern Dank ihm, satte Heerden! Wiehert ihm Rosse! frohlockt ihm, Adler!

Neig' ihm die Häupter, wallender Aehrenwald! Hauch' ihm Gerüche, thymianreiche Flur! Erduftet, Wiesen! flistert, Hayne! Rieselt, ihr Quellen, und donnre, Weltmeer!

Erwach' in deiner Schöne, Holdselige! In deiner Strahlenfülle, Goldlockige! Erwach' und schüttle, Sonne Gottes, Segnend den Thau aus den goldenen Locken!

Schau, sie erwacht! Wie lächelt die Freundliche! Wie glüht ihr Mutterantlitz! Wie liegt die Erd' Anbetend vor ihr, schauert Düfte, Wimmert Entzücken, und jauchzet Freude!

Kraft meines Geistes, schwinge dich, Ewige! Schlag meines Herzens, schlage gewaltiger! Rauscht fey'rlich, meine frommen Saiten! Mehret den Jubel der Morgenschöpfung!

Wem tönt mein unentheiligter Frühgesang? Wem flammt die Flamme meiner entbrannten Brust? Urschöner dir, und deiner Schönheit Lichtestem, holdestem, hellstem Abglanz!

Wem weih' ich diese trauten Vergissmeinnicht? Die erste, Unvergesslicher, weih' ich dir! Die zweyte deines reinen Odems Reinster, unsträflichster, schönster Tochter!

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