Skip to content
1758–1818

Eusebia .

Gotthard Ludwig Kosegarten

Wem, o Freundin, als dir, die du den einsa- men Waller Auf der Reis' in das Grab leitest mit freund- licher Hand,

In den einsamen Weg manch duftendes Blümchen ihm streutest, Aus dem Antlitz ihm bogst manchen ver- wundenden Dorn;

Die du, sorgsam den Frieden der eigenen Seele bewahrend, In des Gefährten Brust öfter die Stürme beschworst,

Jede Schickung ertrugst mit überwindender Liebe, Immer wahr und treu jegliche Prüfung be- standst; Die du uns, Beste, umschlangst mit dieser Blu-

menguirlande Knospender Menschen, sie pflegt liebend der Strahl und der Thau. Horch, wie jauchzen die Frohen! wie stürmen die

Freudigen, siehe! Diese mit Anmuth geschmückt, jene gerüstet mit Kraft! Zwischen den Lilien spielt, selbst Lilie, unsre

Allwine, Hinter dem Schmetterling jagt der Schmetterer, her; Während am Saume der kosenden Mutter sich

anschmiegt, Und in dem Schooss, der ihn trug, lächelnd Emilius ruht Diese blühende Guirlande ist nun zerrissen. Unsre engelgleiche Julie entschlief drey Tage nach Abfassung dieser Elegie; unser lächelnder Emilius drey Wochen später. — Edele, Anspruchlose, Demüthige, Friedliche, Stille,

Wem, Geliebte, als dir, sollt' ich Eu- sebien weihn! Hast du Eusebien wohl, die Tochter des Himmels, gesehen?

Zu den Hütten des Grams stieg sie erbar- mend herab. Ihre Lippen umfliesst ein trostverkündendes Lä- cheln;

Ihrer Augen Gewalt mildert der Mensch- lichkeit Thau. Freundlich leitet und sicher die Höhe den tappenden Wandrer

Auf der Pflicht und des Rechts stickelen Pfaden hinan; Leuchtet im Nebel des Meinens ihm vor mit der Lampe des Glaubens;

Rettet auf schmalem Steg ihn durch die Sümpfe des Wahns, Mahlt ihm in jegliche träufelnde Wolke den Bogen des Friedens,

Färbet mit Lasur und Gold jeden zerfliessen- den Duft; Und wenn hinter die Gräber die Sonne des Lebens hinabsinkt,

Wenn erebische Nacht um die Erblindenden starrt, Zeigt sie der Ewigkeit Riesenscheitel uns funkeln im Goldglanz

Einer Aurora, die dir, Insel der Seligen, strahlt. Mög' Eusebia uns durchs trübe Leben geleiten! Möge sie Kühlungen uns wehn in der

Schwüle des Tags, In den Frösten der Nacht uns decken mit wärmen- dem Fittig, Uns in der ehernen Schlacht wapnen mit

ehernem Muth! Möge sie letzen das Sehnen des schwerbefriedigten Herzens, Möge sie schlichten den Streit zwischen

dem Nicht-Ich und Ich! Wenn der Vergangenheit Leichenflor die Gegenwart einhüllt, Wenn die Gegenwart selbst schwindelt am

Rande der Zeit, Möge die Gütige dann den dichtgewebeten Schleyer, Welcher die Zukunft deckt, lüpfen mit freundlicher Hand,

Dass umgossen vom Glanz des nie erblassenden Früh- roths, Von Accorden umtönt, welche kein zart vernahm,

Von Gestalten begrüsst, die keine Über die Sterne hinaus schwebe der trun- kene Geist! Friede, Beste, mit dir! Mit unsern Lieblingen

Freude! Deine Liebe dem Mann, der dir Eusebien weiht!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Eusebia . · Gotthard Ludwig Kosegarten · Poetry Cove