Siehe, wie die Fluren trauern! Wie der Sonne goldnes Licht Durch den Flor von Regenschauern Mühsam nur und weinend bricht!
Florens holde Kinder neigen Ihre Häupter krank und matt. Von den leisgeregten Zweigen Taumelt raschelnd Blatt auf Blatt.
Ausgestorben sind die Wälder Einem Wahlplatz gleicht die Flur, Einer Maalstatt Wies' und Felder, Einer Wittwe die Natur.
Trauert immer, holde Auen, Traute Fluren, trauert nur! Hüllet euch in Nacht und Grauen! Traure, traure nur, Natur.
Auch dein Freund und Liebling trauert, Seines Geistes Licht ist hin; Schimmerlose Nacht umschauert Seinen gramumwölkten Sinn.
Leer ist seiner Pfeile Köcher, Seines Bogens Sehn' erschlafft, Ausgeschöpft der goldne Becher, Ausgelöscht des Herzens Kraft.
Und mit Recht wohl mag ich trauern. Fern von ihrer Mutterflur, Im Bezirke dumpfer Mauern, Im Gebiet der Unnatur,
Wandelt, die ich einzig meine, Die mir Sinn und Seele füllt, Sie, die Klare, sie die Reine, Deren glanzumstrahltes Bild
Jenes Schön mir widerspiegelt, Das aus höhern Sphären stammt, Die zum Heros mich beflügelt, Und zum Halbgott mich entflammt.
Ach, und taumelnd mit der Menge, Die des Herzens Glück nicht kennt, Fortgerissen vom Gedränge, Das nach eiteln Freuden rennt,
Von der Thorheit Ring umrungen, Von der Moden Fluth umrollt, Schwindelnd vor den Huldigungen, Die die Schmeicheley ihr zollt;
Von der Lust Sirenentönen Eingewiegt in Lethargie, Denkst du wohl, o Preis der Schönen, Deines schlichten Freundes nie.
Oder widern deinem Herzen Schellenklang und Flatterglanz? Gnügt dir nicht der Saal voll Kerzen, Voll Gesang und Spiel und Tanz?
Sehnst du wohl' mal aus der Schwüle, Aus der Enge dich zurück In die freye weite Kühle, In des Dörfleins ländlich Glück?
In die kleebeblümten Matten, An den kalmusreichen Bach, In des Gartens Blüthenschatten Unter deiner Lauben Dach?
Denkst du wohl im Rausch der Freuden, In dem Glanz, der dich umgiebt, An des Freundes stilles Leiden, Der dich unaussprechlich liebt?
Denkst du wohl im frohen Reigen Wonnetrunkner Jünglinge, An sein Dulden, an sein Schweigen, An sein überstandnes Weh?
An sein Lieben sonder Tadel, An sein Meinen treu und rein, Tauschest nicht des Geistes Adel, Edles Weib, um äussern Schein?
O so kehre, kehre wieder, Holde Tochter der Natur! Preis und Inhalt meiner Lieder, Kehre heim auf unsre Flur.
Mayenluft soll dich umfliessen, Veilchenodem um dich wehn. Spriessen soll zu deinen Füssen Güldenklee und Tausendschön.
Rosen sollen dich umregnen, Blüthen auf dich niederschneyn; Jede Seele soll dich segnen, Jedes Auge dein sich freun.
Und mit holdem Grussgesange Wird dein Dichter dich empfahn. Zitternd wird er, scheu und bange Seiner Heissgeliebten nahn.
Schüchtern wird sein Blick dich fragen, Wie die blöde Liebe pflegt: Ob noch, wie in schönern Tagen, Ihm dein Herz entgegenschlägt.
Glücklich, wenn der Zweifler findet, Wess sein Stolz sich kaum vermisst! Selig, wenn dein Blick ihm kündet, Dass du, die du warst, noch bist!
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