Ich denk' an dich und holde Fantasieen, Und rosenfarbne Träume schmeicheln mir. Mein liebelechzend Herz zerschmilzt in Elegieen, Und jede Fiber tönt von dir,
Und jeder Muskel zuckt, dich zu erstreben, Der Sehnsucht Sturmwind fasst mich stark und wild, Und schüttelt meinen Bau, dass seine Pfeiler beben, Und meiner Kräfte Fluth erschwillt.
Getragen von dem Fittig der Gedanken, Gehoben von der Welle der Begier, Entschwingt der freye Geist sich kühn des Raumes Schranken,
Und pflegt Vertraulichkeit mit dir. Doch ach, wenn ich nun wirklich zu dir fliege, So überwältigt mich geheimes Graun.
Der Blöde wagt es nicht, die seelenvollen Züge, Das klare Antlitz anzuschaun. Mein Blick bebt bange vor dem deinen nieder. Von ferne steh' ich träumend. Jedes Wort,
Das dir entsäuselt, klingt aus meinem Innern wieder, Ein liebelispelnder Accord. Wenn im Vorüberfliehn dein Kleid mich streifet,
Dein irrend Auge meines blinzelnd fasst, Dein himmelheller Blick den meinigen ergreifet, So stockt die Rede. Wechselnd blasst Und feuert mir die Wange. Nebel flirren
Vor meinen Augen; jeder Umriss schwankt, Es schwindelt der Begriff in ausganglosen Irren, Und rings die Feste rollt und wankt. Doch, wenn du schonend deine Macht ge-
brauchest, Mir mild und gütig in das Auge blickst, Ein leises „Denke mein!“ mir in die Seele hau- chest,
Und scheidend mir die Hände drückst: Wie selig fühl' ich dann mich, überselig; Ein Heros, wähn' ich, sey ich, sey ein Gott! Und blutete für dich mit Freuden, sänke fröhlich
Für dich, Geliebte, in den Tod! Dann könnt' ich alles dulden, alles tragen, Der Bande Schmach, der Kerker Finsterniss; Ich trotzet', um für dich mein Alles hinzuwagen,
Den Parzen und der Nemesis. Dann möcht' ich gern die ganze Welt be- glücken, Den Todfeind möcht' ich brüderlich umfahn,
Die starre Hölle selbst an meinen Busen drücken, Und rettend mich dem Orkus nahn. Das Sieb der Danaiden möcht' ich füllen, Dem müdgequälten Sisyph Kühlung wehn,
Prometheus Fessel brechen, Tantals Hunger stillen, Ixions Rad mitleidig drehn. Ein himmlisch Feuer fühl' ich in mir lodern; Die Grossen, Starken, die Heroën all
Gebeut der Dämon mir zum Kampf herauszufodern, Auf Leyer, Griffel oder Stahl. Drum lass, Ellwina, lass dich, Edle, lieben! Dein Erwin wünscht sich nichts von dir zurück;
Ihm gnügt sein Saitenspiel, die Wollust, dich zu lieben, Dein Anschaun, Huldin, und dein Blick!
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