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1758–1818

Erinnerungen.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Komm, Schwester meines Herzens, Lass von des Uns staunend in die Ferne, Ins Ungemessne sehn.

Sieh wie im Abendschimmer, Von dunkler Fluth umkränzt, Dein mütterliches Eyland Uns hold entgegen glänzt.

Sieh, sieh im Kranz der Berge Die Stadt, die dich gebar; Dich, Schwester, und das Mädchen Mit goldbestäubtem Haar.

Am donnernden Visurgis Wallt, die ich meine, nun; Und Friede soll und Tröstung Auf ihrer Scheitel ruhn.

Wo rauscht ihr, heil'ge Hayne, Wo ich im Mondenblitz Und Sterngedämmer schwärmte, Ihr Hayne

Mir hat in euren Schatten Urania sich verklärt, Hat mir in ernsten Nächten Manch hohes Lied gelehrt.

Sieh, sieh im fernen Süden Die Berge In jener Berge Schründen, In jener Waldnacht Graun,

Im Rund der Hünenmale, Wo Hirsch und Hindinn gras't, Hab' ich im Stolz der Jugend Der Monden viel verras't

Wo glänzen deine Wellen, Friedsel'ger An dessen Kalmusufern Ich sinnend wandelte,

Wo ich der Und Und lauschend ihren Tönen Von allem Harm genass.

Wo säuseln deine Pappeln, Kleeduftend In dessen Thymiangründen, Der Einfalt stillem Sitz,

Ein blödes Mägdlein sprosste, Das schüchtern mich umschlang, Und liebend mir verschönert Den rauhen Lebensgang.

Sieh dort, am Saum des Osten, Umschürzt vom Ozean Hebt Titanisch mondhinan.

Wohl seyd ihr, Hoch Seelow's Wolkenheerd, Gewalt'ge Wohl unsers Preises werth.

Doch werther noch des Preises Ist euer Schwesterland, Wo nach verklungnen Stürmen Ich süssen Frieden fand.

Hast du nicht, stilles Des Schwärmers Geist gezähmt, Und seine Kraft gezügelt, Und seinen Trotz gelähmt?

Sey mir gegrüsst im Liede, Vertraulich Uferland! Geheime Kräfte walten An deinem öden Strand.

In deinen Uferschründen Wohnt namenlose Ruh, Und Stein und Staud' und Welle Spricht mir vertraulich zu.

Dort wo umschäumt Die Brust den Wogen beut, Schaut glanzberauscht das Auge In die Unendlichkeit.

Erhabnes Ahnen schwellet Des ernsten Schauers Brust, Und Hohngelächter däucht uns Der Erde Schmerz und Lust.

Dort, wo am flachern Strande Die Welle leiser grollt, Wallt, Schwester, unsre Traute, Umglänzt von Hespers Gold.

Schürzt, Zephyrs, eure Hüften, Bringt ihr Mariens Kuss. Rollt rascher, rege Wellen, Rauscht ihr des Dichters Gruss.

Dort wo aus Espenwipfeln Begeistrung niederbraust, Wo güldne Träume gaukeln, Und süsse Schwermuth haust;

Dort üb' ich schöne Pflichten, Und pfleg' erhabner Ruh; Dort schleusst mir einst die Wimper Der Horen schönste zu.

Auch schläft im Ring der Weiden Schon ein holdselig Paar. Es schläft mein süsses Mägdlein Mit Augen sternenklar.

Es schläft zu Mein freundlicher Schlaft, Lieblinge. — Bald säuselt Auch uns die Palm' am Ziel!

Auf Schwester meines Geistes! Die Sonne sank ins Meer. Schwer wälzt der Sturm und grollend Die düstre Fluth daher.

Verwehte Wolken trüben Des Himmels Lasurblau, Und Inseln und Gewässer Umflort ein neblicht Grau — — —

O Insel meiner Liebe, O Heimath meiner Ruh, O Amme meines Geistes, Gedeih' und grüne du,

Bis du am Tag der Tage Wie Gold im Ofen glühst, Und einst, ein schön'res Eden, Aus Schlack und Asch' erblühst.

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