O Erwin, welche Wehmuth, welch Entzücken, Durchbebt mich seit den selgen Augenblicken, Die mir unlängst, von deinem Arm umschlossen, So hell verflossen!
Als du so flehend mir ins Auge blicktest, Als du so blöd' und bang' mich an dich drücktest, Als mir zum erstenmal, was in dir brannte, Dein Mund bekannte.
Noch immer wähn' ich, Bester, dich zu sehen. Ich höre noch dein seelerührend Flehen, Wie Lieblingsmelodieen um uns singen, Tief in mir klingen.
Ich fühle noch der Pulse rasches Jagen, Dem deinigen mein Herz entgegen schlagen, Dem deinigen des Busens rege Wellen Entgegenschwellen.
Ich weiss es noch, und ich vergess' es nimmer, Wie du, umgossen von des Spätroths Schimmer, In deiner schlanken Schönheit vor mit standest, Dann mich umwandest,
Dann wieder los mich liessest, dann es wagtest, Das Unaussprechliche mir stammelnd sagtest, Und während du es auszusprechen rangest, Mich heiss umschlangest —
O Gott! wie ward der Armen da zu Muthe! Wohl zehnmal floh und kam in der Minute Das Blut mir ins Gesicht. Der Boden wankte, Die Feste schwankte,
Und um mich rollten rings die hohen Sphären. Dem Aug' entquollen wollustreiche Zähren. Ich stand die seligste der Viertelstunden, Von dir umwunden.
O Erwin, welche Wehmuth, welch Entzücken Durchströmt seit jenen schwülen Augenblicken Dein armes Mädchen! Welches süsse Wähnen, Und welches Sehnen!
Wie trunken wandl' ich in der Meinen Mitte! Es irrt mein Fuss, es taumeln meine Tritte. Der Träumenden verwehen, wie Sekunden, Die Tagesstunden.
Willkommen naht die Nacht. Zu Bette legen Die Andern sich, um süsser Ruh zu pflegen. Gedankenvoll sitz' ich bey Mondenschimmer Im engen Zimmer.
Es gaukeln um mich holde Fantasieen; Mein Ohr umtönen ferne Melodieen; Mein Aug' umschweben himmlische Gesichte Im Dämmerlichte.
Ich schaudre auf. Und um mich ists so stille. Aus Duftgewölken weint des Mondes Fülle; Dann droht es, mir mit ungestümen Drängen Die Brust zu sprengen.
Ach, Erwin, dieses Staunen, dieses Wähnen, Diess wache Träumen, diese süssen Thränen, Die ungerufen meinem Aug' entgleiten, Kannst du sie deuten?
Ach schweig nur! schweig nur! Von Beschä- mung brennen Mir schon die Wangen — Erwin, nur bekennen Muss ich die süsse Schuld, die blöden Triebe — —
Ich liebe! liebe!
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