Welche fremde Gefühle durchschaudern mich! Welche Verwirrung Wölket die Sinne! Mich fasst wechselnd Ent- Itzt hebt seliges Ahnen empor zu den Sternen die
Seele; Tödtliches Zagen sodann senkt in den Hades den Geist. Mächte, die mich befehden, ihr feindlichen fremden
Gewalten, Sagt, was verbrach ich? was ists, dass ihr mich rächend verfolgt; Dass ihr mit dieser Erynnis mich straft, die Frie-
Bösslich mir raubet, mit Gift wechselnd und Nektar mich tränkt! Lass, lass ab von mir, gefürchtete Liebe! Nicht mag ich
Kosten des Kelches, der einst selbst den Alci- Lass, lass ab von mir. Von deinem Athem be- Taumel' ich, schwindel' ich schier. Schone, Gefährliche, mein!
Nein du willst nicht schonen. Mit jeglichem sie- Jeder gewinnenden Huld hast du die Feindinn geschmückt, Diese zu freundliche Feindinn — dich, meine Ida!
Vergönne, Dass die Seinige dich grüsset das liebende Herz. Freundliche Ida, du bist so hold, wie die Schim-
Wenn der erwachende Tag röthet das dämmern- Bläue des Himmels umrieselt dein schimmerrollen- Röthe des Aufgangs verklärt, Huldinn, dein blühend Gesicht.
Dunklere Tinten verschönern den Mund, und lich- Schwelgrisch umwallt dich die Fluth goldenen ringelnden Haars. Abgewogen aufs strengste ward dieser Glieder Ver-
Dieser Formen Kontur ward von Apelles be- Doch wer redet es aus, was diese Formen veredelt, Diese Züge verklärt, dieses Gebilde beseelt! Wer die rährende Huld, die herzgewinnende Milde,
Wer die Ruh im Blick, wer in den Augen den Sinn! Wer die Einfalt und Demuth, die Zucht und Zart- Welche dir jegliches Herz, erstes der Mädchen,
gewinnt. Also fand ich dich, Ida. So siegtest du, wenig es ahnend, Wenig es wollend fürwahr, über des Sicheren
Herz. Ach zu sicheres Herz, wird dir auch Ihres begegnen? Allzuvermessenes, wird Ida nicht stolz dich ver- Wirst du mich lieben, Geliebte? Dein schmach-
Dein Erröthen verräth, dass du zu lieben ver- Liebe, liebe mich dann! Wohl arm an Schönheit und Gaben Ward mir doch Reichthum gewährt, Reichthum
des Herzens und Sinns. Liebe des Schönen büsst für den Mangel eigener Schönheit, Zartheit des Sinns ersetzt, was sonst versagte
der Gott. Liebe, liebe mich, Ida. Es ist der Tugenden Schönste, Treu zu lieben, das Herz einzig dem Einzigen
weihn. Liebe mich, meine Erwählte. Es ist die höchste der Freuden, Innig zu lieben, geliebt von dem Geliebten zu
seyn. Ach, dass du mich liebtest! Wie würde das freund- Ein Elysischer Traum, Traute, so lind uns ent- Arm geschlungen in Arm, und Seele verlohren in
Seele Würden wir wandeln den Pfad, welcher zum Cocytus führt, Würden vom grauenden Tag bis zu den Schatten
des Abends Irren im flisternden Busch, kosen am kosenden Bach, Würden, wenn thaute die Nacht, zu ambrosischem
Schlummer uns lagern, Meine Rechte dich gürtend, die deinige mich! Würden jede Sekunde mit Küssen beflügeln, und jede
Fesseln mit reinem Genuss, würden in Einem Moment Beyd', in Einem inbrünstigen Kuss, in Einer Um- Zu den Liebenden über den Sternen entfliehn.
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