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1758–1818

Elegie .

Gotthard Ludwig Kosegarten

Sey mir gegrüsst in deinem Hervorgehn, Tochter der Unschuld! Blumig schwebst du einher, ähnlich dem blumigen May!

Reine Jungfrau, wie röthet die Rose der holden Verschämtheit Deine Wange! Wie bebt blöde dein schüch- terner Blick!

Bebe nicht, meine Geliebte, und fliehe nicht, meine Erwählte! Fliehe nicht, Ida! Vor wem fliehst du? Ich lasse dich nicht!

Tage hab' ich um dich verschmachtet mit rastlosem Schmachten. Nächte hab' ich um dich sinnend und seh- nend verwacht.

Hingeschlichen sind nun mit Schneckenträgheit die Öden; Und ich liesse dich schon? Ida, ich lasse dich nicht.

Halten will ich dich, Bange, mit kühnumschlin- gendem Arme, Drücken will ich dich fest an das verlan- gende Herz.

Laben will ich sein heisses Verlangen mit labenden Strömen, Letzen den lechzenden Durst, letzen mit köstlichem Wein,

Mit dem süssen berauschenden Weine des Habens und Haltens, Und Geniessens, bis mir schwinden das Licht und der Schall —

Ida, ich habe dich wieder. Ich hab', ich halte dich wieder, Fühle wieder der Hand lebenerschütternden Druck,

Schaue wieder dein grosses blaues schmachtendes Auge, Gürte den schlanken Leib wieder mit brün- stigem Arm,

Fühle mich wieder von deines Odems Duften um- säuselt, Wieder gehoben mein Haupt von der geho- benen Brust —

Meine Ida, wie selig . . . wie träumend . . . wäh- nend und . . . selig! — Meine Ida, warum sträubest du wegernd dich weg?

Warum wendest du seitwärts dein Aug'? Und warum entstrebst du Meinem liebenden Arm? — Ida, liebst du mich nicht? —

Wehe, sie liebet mich nicht! Verlass mich, Mäd- chen, verlass mich, Wenn du mich nicht liebst! Spotte des Jünglinges nicht,

Dem du Liebe versprachst, und den du nicht lie- best — Verläugn' es, Falsche, wenn du es darfst, dass du mir Liebe versprachst!

Strafe Lügen dein Auge, die Hände Lügen, und Lügen Jeden ertappten Blick, jeden gestammelten Laut,

Jedes Flammenberühren der Wangen und Herzen, und Seelen, Jedes Suchen und Scheun, jegliches Fliehen und Nahn;

Straf' es Lügen, vermagst du es, Falsche, und wende dein Antlitz Nicht so heuchlerisch weg, decke den tückischen Blick

Nicht so scheu mit den Händen — Mein Herz ist edel und redlich. Offen, wenn du es darfst, schaue den Offenen an.

Weg mit der deckenden Hand von dem täuschenden Auge! — — Ida, Meine Ida, du weinst? Ewige Liebe, du weinst?

Warum weinest du, Theure, und warum hebst du so flehend Deinen strömenden Blick, warum die rin- gende Hand

So herzrührend gen Himmel? — Im Himmel ist Scho- nung, und Mitleid Schwellet der Himmlischen Brust — Ida, ach Ida, vergib!

O, vergib der gequälten, der quälenden Liebe! — Ich seh' es, Wonne! dass du mich liebst! Dieses ent- rungene Ach,

Dieses Stammeln, und dieses Schweigen, und dieses Erblassen, Dieser flehende Blick, dieses Hinsinken an mich,

Dieses Hinsterben an meinem Herzen betheuern mir, schwören Heiligen ewigen Schwur, dass die Geliebte mich liebt —

Süsses Entsetzen, wie fass' ich, wie trag' ich dich, Schauerentzücken! Paradiesische Qual, folternder Seligkeit Last?

Ida, Ida, dem Trunknen entschwinden die Erd' und der Himmel. Rauschenden Wogen gleich, rieseln die Sinne mir hin.

Unter geh' ich im uferlosen Alle der Liebe; Und des Sinkenden Haupt decket die schla- gende Fluth.

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