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1758–1818

Elegie .

Gotthard Ludwig Kosegarten

Meine Ida, wie anders seit gestern! Dein leuch- tendes Antlitz Leuchtete gestern, es sah gestern dein Auge so klar.

Welche Wolken schatten denn heute dein freundli- ches Antlitz? Welche Dämmerung hüllt seinen erlöschen- den Glanz?

Schwerarbeitend athmet dein Busen von lastenden Seufzern; Matter wanket dein Schritt; weinender wimmert dein Laut.

Meine Ida, wie ist dir? Umnachten dich Schatten der Schwermuth? Schüttert Fieberwuth deinen zu zärtlichen Bau?

Schwermuth mag nicht haften an meiner unsträf- lichen Ida Himmellauterem Sinn. Krankheit, dein feind- licher Arm

Schüttert schonungslos die Feste des edelsten Mäd- chens — Meine Ida, du sinkst? Lehne dich, Theure, an mich!

Also lehnt an den Stab die wettergegeisselte Nelke. Wilder wüthet der Sturm, wilder der Re- gen. Der Stab

Sinkt, und mit ihm sinkt die schönste der Blumen. Gebrochen Liegt sie am Boden. Der Wind streuet die Blätter umher.

Also liegt und schmachtet mein herrliches Mädchen. Der Locken Ringelnde Füll' umströmt hüllend die stei- gende Brust.

Mit dem Steigen des Schwanenbusens steiget die Decke. Wie das Täubchen im Hayn, girret ihr kuss- licher Mund.

Meine Ida, du leidest, und ferne von deinem Ge- treuen. Dennoch zucket dein Ach mir durch das innerste Mark;

Dennoch fährt mir dein ungesehener Schmerz durch das Leben. Mich durchschauern, wie dich, wechselnd die Schwül' und der Frost.

Unstät wandl' ich im Zimmer, und gebe nicht Ant- wort dem Frager, Fahr' aus Träumen empor, schweig' und bedenke nur dich,

Durste nach deinem Anblick und zaubre mich dir in die Arme — Meine Ida, ach, wann wird mich dein Anblick erfreun?

Wann wird wieder mein Auge dem deinen begegnen? Dein Lächeln Mich umglänzen, und mich seliges Ahnen umwehn? —

Ida, Ida, getrost! Mir lispelt die Liebe: Nicht lange Siehe, so wird sich dein Blick hellen, und rosiger wird

Deine Wange sich röthen. Du wirst aus dem Dun- kel der Krankheit, Eine Blum' aus dem Sturm, duftiger, schöner erstehn —

Aber ach, meine Ida, wird dann dem sprechenden Auge Auch Erklärung entsprühn? Wird dein Ge- ständniss mir auch

Zu Gewissheit die Ahnung der Lieb' erhöhen? — Ach, dieses Sagt die Liebe mir nicht. Liebliche, sagt sie es dir?

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