Meine Ida, der Lenz, der Lenz beginnet. Ich hab' ihm Eben entgegen gegrüsst, hab' ihn den Hü- gel herab
Schweben gesehen. Er sah so freundlich. Ein buh- lendes Lüftchen Haucht' um den rosigen Hals sein hyazin- thenes Haar.
Gräschen und Blümchen entsprossen des Schreiten- den schwebendem Tritte, Schnee und Reif zerschmolz seinem erlauen- den Hauch.
Silberstiebende Bächlein durchrieseln schon schwat- zend die Fluren, Blitzen im Sonnenstrahl, spiegeln die Sonne zurück.
Zwiefach Leben durchströmt mir das Blut. Gleich der Lerch' in den Lüften, Gleich dem Schwan im Teich, fühl' ich mich freudig und frisch;
Denn der Lenz beginnt. Wer wollte des kehrenden Lenzes Sich nicht erfreuen, verjüngt mit der ver- jüngten Natur,
Nicht die offenen Fluren durchtanzen im luftigen Sprunge, Nicht lautjauchzend dem Lenz Freudebe- grüssungen schrein?
Ida, der Lenz beginnt. Komm, Tochter sanfterer Freuden, Komm mit mir aufs Feld. Siehe, der Frost ist dahin,
Und der Schnee ist zerschmolzen. Es rötheln die Äste der Haseln, Und das braune Gebirg lichtet das düstere Moos.
Neues Leben durchwimmelt die Fluren; den Süm- pfen entgurgeln Frösche; der Erd' entwühlt schwirrend Gewürm; in der Luft
Schallt es vom Jubelgesang der triumphirenden Lerche. Mit des werdenden Tags spriessendem blas- sestem Strahl
Schwingt sich die Sängerin himmelempor, und singt, bis die Dämmrung Berg' und Thale verhüllt, fröhlich das fröh- liche Lied.
Komm denn, mildes Mädchen, du Freundin edler Gefühle, Komm mit mir aufs Feld. Jubelnd, froh- lockend empfahn
Wird dich der Frühling, wird „Braut“ dich grüssen, und seinem Gelüste Duftender um dich zu wehn, seinem gefie- derten Chor
Schmelzender um dich zu flöten gebieten — Und ach, Geliebte, Eine Ahnung der Wonn' schauert mir sanft durch das Herz —
Ach vielleicht, dass auch dich des Schmeichlers kosendes Flistern Neue Empfindungen lehrt, dass dir die ath- mende Brust
Ungewöhnlicher schwillt, in süssem verworrenem Trübsinn Dein unschuldiges Herz seufzet, dein rüh- rendes Aug'
Rührender noch und schmachtender blickt, die er- blassende Wange Neue Rosen umblühn, klagender noch dein Gesang
In den Lerchengesang mit einweht, sinnend und träumend Du den Garten durchirrst, bis dich um- schattet die Nacht —
Meine Ida, ach das ist Geist der Liebe. Des Früh- lings Geist ist dem ihren verwandt. Unter den Blumen des Hayns
Sah ich das trauliche Paar oft spielen. Dann lehr- ten sie Liebe, Liebe den Bach und die Flur, Liebe den Busch und den Wald.
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