Krank für Liebe zu seyn, getroffen vom Pfeil des Verlangens Speis' und Trank zu verschmähn, Menschen und Freuden zu fliehn —
Thorheit däuchte mich dies. Ich spottete strenge des Thoren; Aber ich büsse verdient für den unheiligen Spott. Krank bin ich, wie keiner gewesen, vor sehnender
Liebe. Schier aus den Röhren das Mark zehret die sengende Glut. Nicht die Gaben der Ceres vermögen zu stärken
den Matten, Jacchos erlesenster Most löscht nicht den dur- Denn es fehlt mir der Einen belebende Nähe, sie fehlt mir,
Deren ambrosischem Mund heilendes Labsal entquillt. Siebenmal thaute die Früh', und siebenmal wehte die Dämmrung,
Seit du, Geliebte, mir fehlst, seit ich ver- Ja ich verschmachte nach dir. Nicht länger zu mis- Deinen erheiternden Blick, deinen erquicken- Siehe die Aue draussen. Auch ihr ist die freund-
Untergegangen; schon längst birgt sie ein nei- Glanzlos liegt nun die Flur und traurend der An- Seit ich dein sonnig Gesicht, freundliche Ida, nicht sah.
O so strahle denn wieder hervor aus dem hüllen- Morgenröthliches Licht, kläre die Seele mir auf. Tritt hervor, o siegende Sonn', in schimmernder Schönheit.
Bringe mir Klarheit und Glanz, Kraft und Ge- Die du zu lange verzogst, erscheine, Geliebte, er- Stille das schlagende Herz, letze den lechzen- Dein beraubt verschmachtet das Herz, wie die wel-
In der Schwüle des Tags schmachtet nach Abend und Thau. Lieber entbehr' ich des Lichts, als deines begei- Lieber des Liedes Besuch, als dein entzücken-
Silberner klingt mir dein Gruss, als der Lyra Lis- Lieber von dir mich genannt, als von der Zun- Seliger ruht es sich, Edle, an deinem steigenden Busen,
Als in der Mutter Natur blüthenbeschneyetem Schooss. Glücklicher bin ich, umweht von deinen goldenen Locken,
Als von des röthlichen May's schimmernden Blüthen beschneyt. Tausend sind der Blüthen des May's, und tausend- Würzige Düft' entwehn seinem balsamischen
Hauch. Aber du bist die schönste von allen, die frischeste, schönste, Duftendste Blüthe. Nur säumt, Traute, zu
lange dein Kelch Sich zu erschliessen. Ach eile! dir winken der Lenz und die Liebe, Dir der erlauende Hauch, dir der belebende
Strahl. Eil', hochschwellende Knospe, verbreite die Krone der Blätter, Öffne den duftenden Kelch, würze die schmei-
Lass, zu Säumige! lass den ambrosiaduftenden Torus, Zeige dem Harrenden dich, lächel' erbarmend ihn an. Eines Grusses nur würdige ihn, nur Eines Hand-
Eines bedeutenden Winks, Eines liebkosenden Lauts, Und genesen der Quaal, von unsterblichem Leben durchfluthet,
Strebt er empor zum Olymp unter den Göttern ein Gott.
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