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1758–1818

Elegie .

Gotthard Ludwig Kosegarten

Ida, wie weh ist mir, wie trübe deinem Ge- treuen! Sieben Tage flohn; aber ich sahe dich nicht.

Sieben Tage verschlichen. Ich habe sie einsam ver- trauert, Denkend und dichtend an dich, sehnend und durstend nach dir.

Sieben noch dunklere Nächte verwacht' ich in zärt- lichem Kummer, Traurend, Traute, um dich, rastlos ver- schmachtend nach dir.

Warum verbirgest du dich? Mir ist um die Seele so düster, Und um die Brust so bang. Ida, verbirg dich mir nicht!

Siehe die Aue draussen. Ihr ist die freundliche Sonne Untergegangen; ihr birgt Nebel den freund- lichen Strahl.

Und nun schmachtet, nun trauert, nun klagt die Verlassne. So klag' ich, Seit ich dein sonnig Gesicht, freundliche Ida, nicht sah.

O, so strahle denn wieder hervor aus dem hüllenden Dunkel, Morgenröthliches Licht, kläre die Seele mir auf.

Tritt hervor, o siegende Sonn', in schimmernder Schönheit, Blinke mir Leben und Kraft tief in die Seele hinein.

Komm du, die ich liebe, in deiner unschuldigen Schöne, Deiner rührenden Huld, deinem gewinnen- den Reiz.

Komm, o Inniggeliebte, an meinen klopfenden Busen, Stille das schlagende Herz, letze den lech- zenden Durst.

Meine Seele schmachtet nach dir, wie die welkende Blume In der Schwüle des Tags schmachtet nach Abend und Thau.

Meine Seele liebet dich mehr als Jugend und Freiheit, Mehr als Harf' und Gesang und der Be- geisterung Kuss.

Süsser klingt mir dein Lächeln, als meiner Harfe Gelispel; Hehrer blickt mir dein Aug', als die gestir- nete Nacht.

Seliger ruht es sich, Edle, an deinem steigenden Busen, Als in der Mutter Natur weichem und offe- nem Schooss.

Glücklicher bin ich, umweht von deinen goldenen Locken, Als von des röthlichen May's schimmernden Blüthen beschneyt.

Tausend sind der Blüthen des May's, und tausend mal tausend Würzige Düft' entwehn seinem balsamischen Hauch.

Aber du bist die schönste von allen, die frischeste, schönste, Duftendste Blüthe, du! — Und du verhül- lest dich mir?

O, verhülle dich nicht! Dir winken der Lenz und die Liebe, Dir der erlauende Hauch, dir der belebende Strahl.

Eil' und brich hervor aus drängenden Knospen, und breite Deine Blätter, und rings würze die schmei- chelnde Luft.

Komm hervor aus dunkler Kammer, unschuldige Schöne, Komm' und sinke mir in den umflechtenden Arm.

Ach, wenn itzt du kämest, wie wollt' ich liebe- beflügelt Dir entgegenfliehn, wollte die zierliche Hand

Freudig fassen, und flehend dir schaun in das schmachtende Auge, Wollte blöd' und bang' um den geschlan- keren Leib

Meine zitternden Arme dir schlingen, und tausend- mal Ida, Ida stammeln, dich fest an das verwegene Herz

Fest und stark dich drücken, und immer fester und stärker, Bis dein schlagendes Herz nah an dem mei- nigen schlüg,

Deine flammende Wang' an meiner flammte, die Lippe Trunken auf deiner ruht', und der berau- schete Geist

Ganz in Einem verzuckenden Kuss in der Deinen zerschmölze, Sterbend süssen Tod, Seligkeit erbend in dir!

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