Die ihr des freundlichen Lichts Euch daseynsselig erfreuet, Tröstet euch, Brüder, ihr werdet Ewig des Lichtes euch freun.
Was wir ersehnten, Mit des Jünglings Sehnsucht Nach dem Kuss der Geliebten, Es ist, es ist mir erschienen.
Was wir ersehnten, erflehten, Es hat, es hat mich ergriffen, Wie den Jüngling die Eidschwurgewissheit, Dass, die er liebet, ihn liebe.
Wie den Sünder die Gnade ergreift, Wie den Büsser der Vergebung Gefühl, So ergriff den Vernichtungscheuen Unsterblichkeit, dein grosses Gefühl.
Ich ahnet', ich hofft' es, jetzt glaub' ich, dass ich bin! Ich glaub' es, ich schau' es, dass ich ewig bin! — Neige deine Wipfel, Eiche!
Ein Unsterblicher wandelt unter dir. Ründe die silberne Scheibe, Mond! Entblinket dem Nachtgedüft, schimmeräugige Sterne!
Sirius, wälze dein Flammenrad! Glanzge- Wandle stattlich den Riesengang! Minder, ihr Stolzen, als ich, Seyd ihr, ihr seyd vergänglich!
Mehr als die Eich' und der Mond, mehr als Orion und Sirius Bin ich — bin unvergänglich. Himmel und Erde vergehn!
Nimmer vergehet das Ich! — Ha, wenn das Ich verginge, Was wäre diess nichtige Seyn? Eines Traumes Schatten,
Geträumt im zweifelnden Zwielicht, Zerschwunden mit des Tages Dämmerung, Wäre diess nichtige Seyn! Ärmer noch wär' ich, als der Halm und das Gras;
Verächtlicher noch, als der Kiesel der Gasse. Des Daseyns Entzücken empfanden sie nicht; Dein Grauen Vernichtung empfinden sie
nimmer. Ach, wenn ich ewig nicht wäre, So ächzt' ich dem kommenden Tag' Entgegen, so ächzt' ich, käme die Nacht,
Und verhüllte mich, und schwiege ver- So würd' ich unter die Blumen des Frühlings Mich strecken, und die Blume beneiden. Du, o blühende Erde, däuchtest mir ein
offnes Grab; Die Menschen zerfliessende Schatten. Dich, herrliches Vorrecht des Geistes, Unergrundliches hohes Bewusstseyn,
Dich wird' ich ersticken in Taumel und Rausch, Dass mich nicht träfe der Gedanke der Vernichtung. Aber er träfe mich doch,
Mich umspukten grinsende Larven, Blöketen fletschenden Zahnes mir zu: Was jauchzest du, Schatten? Zerflattre! Es ersinkt der Kelch der zitternden Hand;
Es entsprudelt dem blinkenden Schierlingsschaum! Die Rose duftet Verwesung; Die Musik tönt Gräbergeheul! Rühret mich nicht an! Umarmet mich nicht
So brünstig, meine Geliebten! Ach, druckt den Vergänglichen nicht so fest an euer Herz; An eurem Herzen dürft' er zerfliessen!
Der Vernichtung Fittige sausen daher. Sie sausen, sie rauschen mich an. — Ach ret- Wohin, Verirrte, wohin? Ermanne dich, Seele! Ein Schall ist's,
Ein hohler Schall, der dich ängstet. Ist hienieden auch Tod? Auch Untergang hienieden, und Vertilgung? Ist, was Tod wir nennen und Untergang,
Nicht Enthüllung nur, Entwicklung, Ver- Mag auch das edlere Selbst, Das denkende, wollende, hoffende Selbst Versiegen mit dem Öl, das den Nerven
tränkt, Verstieben mit der Asche, die den Grä- Löscht auch der Becher der Lust, des Ruhms, der Wollust, der Liebe,
Stillt auch die Fülle des Glücks, der Brust un- Warum dann seufzen, Beglückter, wann dämmert der Mond, Wann das Spätroth schimmert, und die
Sterne funkeln? Mag auch Gott der Liebe, Gott der ewigen Liebe, Des Bösen Bösestes, was nur die Allmacht
vermag, Des Bösen Bösestes wollen: Vernich- Schreitet nicht mächtigen Schritts, fliegt unermüd- Das All der Vollkommenheit strahlendem Ziel
Nicht näher mit jeglichem Nu, mit jegli- Und wir — die Einzigen, schwindelten endlos zurück? O Wahrheit! o Schönheit, o Tugend!
Hochheiliges Drey in des Geistes Einheit, Du zweyte Welt in der ersten, Du zeugest wer wir sind, und wer wir werden!
Ihr Guten und Weisen und Reinen. Ihr Seelen ohne Schuld und ohne Freude, Ihr Erquetschten in der Knospe! ihr Er- Ihr bürget wer wir sind, und wer wir
werden! Ja wahrlich, wahrlich, ich bin! Ich weiss, ich glaube, ich bin! Und werde ewig seyn —
Ewig! ewig! Wie ertragen die Wonne? Wie dich fassen Entzücken? Wie genügen der lastenden schreckenden
Seligkeit? Ich werde ewig seyn! Frohlock', begnadigter Geist, hinauf zum wölbenden Himmel.
Du bist unsterblich! Frohlock' hinab in die Nacht, in das Land der Stummen und Stillen; Sie sind unsterblich!
Frohlock' am Saume der offenen Gruft. Du bist unsterblich! Frohlocke, wenn wieder sich füllet die Gruft,
Und der grünende Hügel sich wölbet. Thaut, Frühling', auf meinen Hügel! Regen, säusl' auf ihn herab! Ich bin unsterblich!
Brause Herbststurm um mein blätterbesäe- Ich bin unsterblich! Die ihr weint an meinem Hügel, jauchzet laut! Ich bin unsterblich!
Schwinget, schwinget die Fittich, und ei- Wir sind unsterblich!
Cookies on Poetry Cove