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1758–1818

Die Sommernacht.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Zwölfe schlug es. Es wirft über die müde Welt Ihren Schleier die Nacht dunkler und schattender. Schon ist Schon

Trüb' und röthlich enttaucht Nacht. Aus dem silbernen Duft schauet der Mond hervor, Kos't die schüchterne Dämmrung,

Wie ein Jüngling die blöde Braut. Aus dem silbernen Duft flimmre vertraulich, Freund, Durch das schwankende Laub, das um mein Lager schwirrt,

Um den duftenden Rasen, Den ich mir für die Nacht erkohr. Wahrlich, schön ist mein Bett. Duftendes weiches Gras

Ist mein Polster; mein Pfühl ist der bemooste Stein; Meine Kerze der Glühwurm, Schilfgesäusel und Wachtelshlag Sind mein Wiegengesang. Aber es wieget heut

Nicht das Säuseln des Schilfs, nicht das Geläut' im Teich Mich in Schlummer. Es wieget Meine Seel' in erhabnen Ernst.

Viel zu hehr ist die Nacht, viel zu gedankenvoll Schaut vom Himmel der Mond. Anger und Trifft und Flur Stehn so magisch im Nebel,

Der dem dampfenden Grund entwallt. Du, der Zeiten des Tags herrlichste, heiligste, Ahndungschwangere Nacht, Schwester der Ewigkeit Traute Freundin des Kummers,

Süssschwermüthige Schwärmerin, Nacht, dich liebet mein Geist! Deinen erhabnen Ernst, Deinen schweigenden Gram, deine geweihten

Graun Lieb' ich mehr, als des Morgens Aufgang, mehr als das Abendkühl. Nacht und Dunkel umhüllt unsers Erhabnen

Thron; Und in Dunkel und Nacht fühl' ich dem Herr- lichen Mich viel näher. Der Gottheit

Leise Säusel umschauern mich. Für das Endliche fühlt sich der gehobne Geist Viel zu edel. Ihm schwant höhere Seligkeit, Als der Taumel der Sinne,

Als der Becher der Lust gewährt. Nach Genüssen, die nie ekeln, nach Seligkeit, Welche nimmer versiegt, lechzt der Unsterbliche; Ach, im Antlitz der Sterne

Lechzet, schmachtet, verschmachtet er. Volle Gnüge, nach dir brannte der Knabe schon. Doch das tappende Herz wähnet', es durstete Bald nach schmeichelnden Ehren,

Bald nach lieblicher Mädchen Kuss. Rastlos rang ich nach Ruhm, flocht um den jungen Schlaf Frische Lorbeern; wie bald welkte der frische Kranz!

Stürmisch warb ich um Liebe. Liebe ward mir. Ich wähnte mich Nun vollglücklich; wie bald seufzte der Glückliche! In des Edleren Arm, an der Geliebten Brust,

In dem Schoss des Entzückens Seufzte, lechzte, verschmachtet' ich!

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