Es waren einmal zwey Königskinder, Frisch junges frommes Blut. Es war dem Knaben das Mägdlein, Dem Mägdlein der Knabe gut.
„sag an allerschönste Jungfrau, „wie mag ich kommen zu Dir? „ein grosses wildes Wasser „fliesst zwischen dir und mir.“ —
„zieh aus die Kleider, zieh aus die Schuh. „rudre frisch mit Fuss und Hand. „ich will in der Leuchten ein Licht anstecken, „das leuchtet dich sicher ans Land.“ —
Ein Schalk vernahm die Rede, Trug arge List im Sinn. „der Liebschaft will ich steuren, „dieweil ich lebend bin.“ —
Dass Gott dich strafe du arger Schalk! Dass Gott dich verderbe zur Stunde! — Er blies das Licht in der Leuchten aus. Der Königssohn ging zu Grunde.
Ein Hofbursch trat zur Thür herein, Wohl vor die Tafelrunde. Es war ein Bürschchen hübsch und fein, Und flink von Sinn und Munde.
„gott grüss' euch, ihr Frauen und Fräulein, „gott gesegn' euch Essen und Trinken. „ich sah einen wackern Königssohn, „ich sah ihn schwimmen und sinken.“
Die Frauen und Fräulein sie fuhren auf Von ihren scharlachenen Sesseln. Gar übel sich die schöne Königstochter gehub. Sie sass wie auf Disteln und Nesseln.
„ach Mutter, herzliebe Mutter, „spatzieren mögt' ich gehn. „vergönnt mir zu gehn in den grünen Wald „wo die schönen Blümlein stehn.“ —
„du magst wohl gehn in den grünen Wald „wo die schönen Blümlein stehn.“ — „doch wecke dein jüngstes Schwesterlein auf „und lass es mit dir gehn.“ —
„ach Mutter, herzliebe Mutter, „gar lustig ists am Strand. „vergönnt mir zu gehn an das Wasser, „auf dem schönen weissen Sand.“ —
„du magst wohl gehn an das Wasser, „auf dem schönen weissen Sand. „doch wecke dein jüngstes Brüderchen auf „und nimm es mit an Strand.“ —
„mein Bruder und meine Schwester „sie haben noch keinen Verstand. „sie pflücken die schönsten Blumen ab „und füllen die Schuhe mit Sand!“
Die Jungfrau schied von dannen Ging traurig an den Strand. Da fand sie wohl einen Fischer Der fischete hart am Land.
„gott grüss euch, herzlieber Fischer, „was bracht' euch euer Fang? „habt ihr nicht gefischt einen Königssohn, „den die wilde Fluth verschlang?“ —
„ich hab' gefischt den ganzen Tag, „die Nacht so schwarz und lang. „ich hab' gefischt einen Königssohn, „der hier zu Grunde sank.“ —
„gar übel gehub sich die Königstochter; „sie weinte, sie klagte, sie sprach: „ist mein Herzliebster todt und hin, „nicht mehr ich leben mag.“
„sie nahm das goldene Kettlein vom Hals, „vom Arm die Spange noch warm; „gab Spang' und Kettlein dem Fischer, „und nahm ihren Liebsten in Arm.“
„gute Nacht nun herzliebe Mutter, „gute Nacht, lieb Vater und Brüder. „gute Nacht ihr süssen Schwesterlein, „ich seh' euch nimmer wieder.“
„ich grüss euch zu tausendmalen, „und bitt' euch, habt nicht Harm! ! „ich versenke mich ins Meeres Grund „mit meinem Liebsten im Arm.
„fahr wohl, fahr wohl, du schnöde Welt, „ich muss itzt von dir scheiden. „ich muss zu meinem Herzliebsten gehn „ins Reich der ewigen Freuden.“ —
Und als die Mähr' am Land erscholl, Da war gross Leid und Jammer; Es haben getraurt Kanzel und Altar, Getrauert Saal und Kammer.
Die Königstochter und sie war todt, Ins Meeres Grund versunken. Der Königssohn und er war todt, In wilder Fluth ertrunken.
Nun Gott gedenk' es dem argen Schalk, Der schuld daran gewesen! Gedenk' es jedem noch heut zu Tag, Der treue Liebe will lösen!
Cookies on Poetry Cove