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1758–1818

Die Klage ohne Trost.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Wo seyd ihr, meine Lieben? Euch ruft mein Wehgesang. Euch ruft des Herzens Sehnen Mit ungestümen Drang.

Wo seyd ihr, meine Trauten? Wie täuscht ihr mich so sehr? Die ihr mich feurig liebtet, Liebt ihr mich itzt nicht mehr?

Ich steh' auf stickelm Felsen, Und schaue rings umher. Der Sturmwind schwingt die Flügel, Und geisselt Luft und Meer.

Ich schwärme durch die Klippen, Durch struppiges Gesträuch, Durch dichtverwachsne Schründe, Und suche rastlos euch!

Der Eichwald heult entblättert; Erstorben starrt die Au. Um öde Stoppeln sauset Der Herbstwind, feucht und rauh.

Warum so traurend, Aue? Warum so jammernd, Hayn? Seyd ihr, wie ich, verlassen? Seyd ihr, wie ich, allein?

Allein bin ich. In fremdem, In ödem Land' allein. Die lange Dämmrung lichtet Kein Stern — kein Mondenschein.

Die heisse Wange fächelt Kein lispelnd Abendkühl, Noch schmelzt des Spätroths Blässe Das Herz in Ruhgefühl.

Wie starrt die öde Wildniss, Umbrüllt vom düstern Belt. Es kommt kein freundlicher Wandrer, Der um den Hals mir fällt.

Ich rufe durch die Forste, Durch Berg' und Thal — und laut Ruft mir das Echo Antwort, Doch keines Menschen Laut.

Es gaukeln Luftgebilde Um mich im Fackelschein Gluthrother Meteore, Und spotten tückisch mein.

Ergrimmter tobt die Windsbraut, Erzürnter thürmt die Fluth. Der Feste Pfeiler beben Des Orkans wilder Wuth.

Mag rasen Sturm; mag prasseln Die Windsbraut donnerlaut! Mir klingt ihr wildes Kreischen Wie Morgengruss der Braut.

Mag mondhoch schwellend wogen Der alte Ocean! Mich spricht sein dumpfes Grollen, Wie Flötenwirbel an.

Was frommt mir Frühlingsmilde Und laues Westgeweh? Sie wiegen den Verlassnen Nur in noch heissres Weh!

Was frommt mir Lerchenwirbel Und Nachtigallenschlag? Der öden Brust entächzet Nur desto lautres Ach.

Fahrt wohl! fahrt wohl, ihr Trauten! Mir winken Nacht und Ruh. Bald drückt die müden Wimper Der letzte Freund mir zu.

Fahrt wohl! Im Ring der Steine Ergrünt ein Mahl! Hier wird Mein Schatten euch umschauern, Wenn ihr das Mahl umirrt!

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Die Klage ohne Trost. · Gotthard Ludwig Kosegarten · Poetry Cove