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1758–1818

Der transparente Mondschein.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Sey mir gegrüsst, sanftdämmernde Landschaft, im täuschenden Zwielicht! Siehe, wie rollet der Mond über den Bergen daher.

Glänzende Wolken verschleyern des Wandelnden freundliches Antlitz, Siehe, sie wallen hinweg, glänzender wandelt er hin.

Rings erschimmern die Häupter der Berge, die Wipfel des Waldes, Silberne Strahlen durchsprühn flitternd das säu- Schau, es glänzet der Bach, und jegliche zitternde

Welle Spiegelt dein leuchtendes Bild, freundliche Lu- Komm, Geliebte, mit mir in die traulich dämmernde Gegend,

Hier durch die thauige Flur, dort durch das grasichte Ried, Hier an den blumigen Rand des kalmusduftenden Sees,

Dort in den dämmernden Hayn, drinnen die Nachtigal schlägt. Horch, wie sie schlägt! Wie dämmerts im Hayn! Hellsilberne Tropfen

Regnen die Wipfel herab. Kühl ists und schau- Inniger, meine Geliebte, umflicht mich, noch inniger, enger. Schaurig und kühl ist der Hayn, einsam und

schaurig die Nacht — — Bey den Schatten des Hayns, bey des Waldes hei- Bey den Gestalten, die blass wanken im ra- Bey den Schauern der Nacht, bey jenem rollenden

Monde, Welcher dein Antlitz bestrahlt, welcher dein Auge verklärt — Wie ich dich liebe, Geliebte, so liebte dich keiner,

so liebet Keiner in Ewigkeit dich, ewiglich lieb ich dich so. Bey den Düften des Hayns, bey dem Ambraathem

der Matten, Bey den Stimmen, die rings flüstern im säuseln- Bey den Gewalten der Nacht, bey jenem rollenden Monde,

Der in der Thräne glänzt, die in den Wimpern dir bebt — — Liebe, liebe auch mich, wie ich dich liebe, Ge- Herzlich und schmerzlich und wahr liebe, Ge-

Inniger, Traute, umflicht mich, noch brünstiger, inniger, enger! Beben Entzückungen nicht rings durch das Herz der Natur?

Zittern nicht funkelnde Thränen auf Gräsern und Blättern und Blumen, Strömt nicht edenischer Glanz, magische Hel- Weinet nicht lächelnd der Mond? erschauert nicht

liebend die Landschaft? — — — Ach, die Landschaft erblasst! Ach, es er- Ausgestorben ist alles, und alles erloschen und öde — —

Ewig im Innersten nur glänzet und glühet es mir.

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