Du wunderherrliche Natur, Wohl mir, dass ich dir Treue schwur! Wohl mir, dass du, so lieb und traut, Mich liebst, als Schwester und als Braut!
Bist du doch immer wunderbar, Und immer herzlich, treu und wahr, Und immer gross und schön und hold Im Morgen- und im Abendgold.
Bist in der Frühlingswinde Wehn Ein Garten Gottes lieb und schön; Und wirft der Herbst dein Laub herab, So hehr, wie eines Heilgen Grab.
Und in des Winters ernster Pracht, In seines Schneees Leichentracht, Gemahnst du mich, o Herrscherin, Wie eine Wittwe-Königin.
Gegrüsst, gegrüsst sey mir auch heut In deiner milden Herrlichkeit, Im ersten jungfräulichen Schnee, Der sanft dich hüllet, Traurende.
Wie frisch, wie rasch, wie freudig wehn Die Winterdüfte! Ach, wie stehn Die nackten Bäume zart und klar, Gleich Greisen mit bereiftem Haar!
Aurorens Rosenkelch erblüht, Und die beschämte Luna flieht. So raubet Geringrer Schönheit Preis und Kranz.
Den lasurblauen Himmel kränzt Aurorens Rosensaum. Wie glänzt, Wie funkelt die beschneite Flur — O Gottes Dienerin, Natur!
O heilige Verkünderin Des Unbekannten, Herz und Sinn, Und Tichten, Trachten weih' ich dir, Und will dich lieben für und für.
Mag seyn, dass diese blöde Welt Von mir manch schielend Urtheil fällt. Natur gibt Zeugniss dir, mein Geist, Dass du der Letzten keiner seyst.
Mag seyn, dass mich des Schicksals Schluss Betriegt um Braut- und Schwesterkuss. Winkst du mir doch, und sprichst zu mir: Bin ich nicht Braut und Schwester dir!
O Herrliche, o Freundliche, Von jedem Jammer, jedem Weh, Von jedem Taumel frecher Lust Geneset sichs an deiner Brust.
O Freundliche, o Herrliche, Dich zu umfassen je und je, Dir treu zu seyn in Freud' und Leid, Gewähre morgen mir, wie heut!
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