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1758–1818

Der Blumenstrauss.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Blümchen, die ihr lieblich blühtet, Düfte hauchtet, Strahlen sprühtet, Blümchen, ach, ihr seyd verblüht! Eure Reize sind entwichen,

Eure Schönheit ist verblichen, Eure Strahlen sind versprüht. Eures Kelches süsse Düfte, Ausgegossen durch die Lüfte,

Schmeicheln keinem Wandrer mehr Eure goldbesprengten Glocken Kränzen keines Mädchens Locken, Schmücken keinen Busen mehr.

Erdentöchter, Erdensöhne, Rühmet euch nicht eurer Schöne, Trotzet nicht auf eure Kraft. Jedes Daseyns Quell versieget,

Jedes Athems Hauch verflieget, Jeder Stärke Nerv' erschlafft. Jüngling, dein gewaltig Leben, Deiner Kräfte rastlos Streben,

Deines Stolzes Herrlichkeit Wird zerflattern. Starrend liegen Wirst du, fühllos für Vergnügen, Fühllos selbst für Lieb' und Leid.

Mädchen, deiner Wangen Rosen Welken, und das süsse Kosen Deiner Purpurlippen schweigt. Deines Trittes Rehesschnelle

Lähmt die Zeit. Die Frisch' und Helle Deines Angesichts verbleicht. Zeder, rausche nicht so prächtig Durch die Lüfte. Stark und mächtig

Kommt der Sturm, der dich zerbricht. Steig', o Sonne! Sinke nieder! Einstens sinkst du, steigst nicht wieder, Kerzen gleich erlosch dein Licht.

Mond, du wirst nicht ewig schimmern; Blaue Feste, du wirst trümmern; Sternensaat, du wirst verwehn. Was aus Moder spross, muss modern,

Was der Asch' entglomm, verlodern, Was begann, muss untergehn. Untergehn? . . . Nein, untergehen, Gar verflattern, gar verwehen

Mag aus Gottes Schoosse nichts. Altern, kränkeln, welken, sterben Mag es wohl; doch gar verderben, Gar verlieren mag sich nichts:

Nicht die Asch' erloschner Sonnen, Nicht Gespinnst, vom Wurm gesponnen, Nicht des Baumes fallend Laub, Nicht zerborstner Welten Trümmer,

Nicht verblichner Wangen Schimmer, Nicht verflogner Blumenstaub. Unverloren ruhet Alles, Stoff des Blatts, des Sonnenballes,

In des Ewgen sicherm Schooss; Windet einstens aus dem Staube — Süsse Hoffnung! schöner Glaube! — Herrlicher sich wieder los. —

Blümchen, die ihr hold und lieblich Gestern, blühtet, still und trüblich Heute welket — trauert nicht! Eurer Asch' entspriessen Keime,

Himmelsblumen, Lebensbäume, Die kein Herbststurm knickt noch bricht! Edler Jüngling, sey nicht traurig, Wenn so früh, so dumpf und schaurig

Dir die ernste Stimme ruft. Edler, kräftiger, verklärter, Liebevoller, liebenswerther, Überstrahlst du einst die Gruft.

Mädchen mit der sanften Seele, Zittre nicht, die enge Höhle Langer Ruh' hinab zu sehn. Über Grab und Grabestrümmer

Wirst du einst im Sonnenschimmer Himmlischer Verklärung stehn. Englisch wird dein Antlitz glänzen Kränzen wirst du dich mit Kränzen,

Deren Rose nie erblasst. In den selgen Myrtenthalen, Horchend ewgen Nachtigalen Wirst du pflegen süsser Rast!

Leibesschönheit bleibt dahinden; Seelenschönheit kann nicht schwinden, Grünt und blüht in Ewigkeit. Sanftmuth, Demuth, Unschuld, Tugend

Kränzt mit immergrüner Jugend, Lohnt mit Himmelseligkeit. Erdenseligkeit vergehet; Himmelseligkeit bestehet.

Hoheit, Schönheit bleibt zurück. Wie der Himmel unvergänglich, Wie die Gottheit überschwänglich, Bleibt der Tugend reines Glück.

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