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1758–1818

Das Lenzgefühl.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Der Lenz, der Lenz ist erschienen. Es ergrünen die Maale der Hünen, Es belaubt sich der heilige Hain. Es erhellt sich der dunkele Eppich.

Ein grüner geschorener Teppich, Gestickt mit güldenen Blumen, So funkelt der Anger, der Rain. Die Blumen stehen wie trunken

Herab auf die Erde gesunken, Umarmt sie der bräutliche May. Entgegen dem Brünstigen bebet Ihr schwellender Schoos. Es entstrebet

Der Kraisenden drängend die Fülle Der Leben jung und neu. Auf brechen die Brunnen der Tiefen. Es erwachen die Seelen, die schliefen.

Es bevölkern sich Matten und Wald. Wie brausen die Käfer! Wie schwirren Die zarten Libellen! Wie girren Die Täubchen, derweil in den Lüften

Der Lerche Brautlied schallt. Vom Hauche des Frühlings geschwollen, Vom Athem der Liebe gequollen, Schwelgt jeglicher Busen in Lust.

Nur mir will das Herz sich nicht weiten. Nur mir sich der Busen nicht breiten. Wann, ach, wann füllt sich die Leere In dieser verschmachtenden Brust.

Ich späh' in die Näh' und die Ferne, Ich frage die sinkenden Sterne, Ich rufe die Blumen der Flur, Ich belausche die Echo der Haine.

Wo wandelt, wo hauset die Eine, Die das schmerzliche Sehnen befriedigt? — Ach zeigt mir der Einzigen Spur!

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