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1758–1818

Das Andenken.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Ich denk' an Dich, Geliebte, Vom frühsten Dämmerstrahl, Bis Kron' und Leyer funkeln Am ew'gen Himmelssaal.

Im lichten Mittagsglanze, Im Graun der Mitternacht, Stehst Du mir klar vor Augen In jedes Reizes Pracht.

Mir winkt das Lied des Dichters, Mich lockt des Denkers Buch. Süss klingt des Sängers Harfe, Und ernst des Weisen Spruch.

Umsonst. Hinweggezogen Folgt der entzückte Geist Dem Strom, der ihn magnetisch In seine Wirbel reisst.

Wenn Nachts aus halbem Schlummer Der Sehnsucht Sturm mich weckt, Wenn mich der Schlag der Wachtel Aus süssen Träumen neckt,

Breit' ich den Arm und drücke Dich wähnend an mein Herz; Der Wahn zerrinnt, und einsam Bin ich mit meinem Schmerz.

Ich flüchte sehnsuchtmüde Zum Busen der Natur. Doch ach, Dein Bild, Geliebte, Folgt mir auf jeder Spur.

Es flötet Deinen Namen Das Vöglein auf dem Zweig. Ihn schwirrt die Grill' im Grase, Ihn ruft die Unk' im Teich.

An Deines Auges Bläue Mahnt mich des Äthers Blau; An Deiner Locken Fülle Des Nebels strömend Grau.

Mich mahnt an Deine Wangen Der Rose keusche Gluth. Mich an den Wein der Lippen Der Beere quellend Blut.

Beschämt dein Schwanenbusen Nicht der Narzisse Schnee? Weicht nicht der Milch der Arme Die Milch der Lilie?

Umhaucht mich nicht Dein Athem Im Nachtviolenduft? Ists nicht Dein süsser Name, Den jedes Echo ruft? — —

Wohin, wohin mich retten Vor der verborgnen Macht, Die mich verfolgt vom Morgen Bis in das Graun der Nacht! — —

Bey Dir, bey Dir nur, Traute, Ist Rettung mir bewusst — — Ach, nur in Deinen Armen, Ach, nur an Deiner Brust.

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