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1758–1818

Cidli und Meli. Eine Idylle aus dem Paradiese.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Zilia sass in Zederschatten. Die liebliche Cidli Sass auf Ziliens Schooss. Es flog dem blühenden Mägdlein

Rings um die Schultern das ringelnde Haar im Säu- sel des Abends. Staunend sass sie. So staunt, wer süss geträumet, und plötzlich

Aus dem Traum' erwacht. So staunte die sinnende Cidli Ob dem jüngst verflatterten Traume des nichtigen Lebens.

Manches fragte die Kleine; und manche lehrende Antwort Gab ihr Zilia schonend zurück. Mit vertraulicher Liebe

Hing des Mägdleins glänzendes Aug' an der Führerin Antlitz. Und es neigte der Tag. Auf des Meers lasure- nem Bette

Ruhete grossgeaugt und segenspendend die Sonne. Feyrend lag vor der Segnenden Auge die freundliche Schöpfung. Düft' entströmten dem Wipfel der Zedern; melodi-

sche Stimmen Rieselten durch ihr säuselndes Laub. Aus der Näh' und der Ferne Wehten äolischer Harfen Kläng' und der Orphica

Lispel. Cidli's staunende Seele durchzitterten Schauer auf Schauer. Inniger schmiegte sie sich und fester an Ziliens

Busen. Und nun waltete heilig die Nacht auf Hügeln und Thalen, Lau und frisch und strömend von Düften. Es

glimmte das Spätroth Durch das flitternde Laub, und färbte die Wangen des Mägdleins. Staunend empor sah Cidli zum sternebesäeten

Himmel. Andere Stern' erschienen der Wundernden; andre, als jene, Die ihr der Vater gezeigt, wenn gegenüber den

Fenstern Sirius flammten und Rigel, und Betegeuze die Schöne; Andere, schönere, funkelndre Stern' erschienen der

Kleinen. Emsig schaute sie auf. Und sieh! am Saume des Osten Glomm ein weisslicher Schimmer empor. Der sil-

berne Schimmer Lichtete sich mit jeglichem Nu. Und siehe, mit einmal Quoll ein leuchtender Ball herauf aus den grollenden

Fluthen. Weithin glänzte die Fluth; es glänzten die Häupter der Berge. Ziliens hehres Aug' erglänzt' in Thränen der Rüh-

rung. Zärtlicher schmiegte sich Cidli an sie; und „Zilia“ sprach sie: „welch ein Mond ist diess! Viel schöner wahrlich

ist dieser, „als der blasse, der manche Nacht mit fliessendem Silber „unsre Wände daheim besprengt' und mein schwel-

lendes Lager. „lieb war jener und gut; doch grösser ist dieser und schöner.“

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