Zilia sass in Zederschatten. Die liebliche Cidli Sass auf Ziliens Schooss. Es flog dem blühenden Mägdlein
Rings um die Schultern das ringelnde Haar im Säu- sel des Abends. Staunend sass sie. So staunt, wer süss geträumet, und plötzlich
Aus dem Traum' erwacht. So staunte die sinnende Cidli Ob dem jüngst verflatterten Traume des nichtigen Lebens.
Manches fragte die Kleine; und manche lehrende Antwort Gab ihr Zilia schonend zurück. Mit vertraulicher Liebe
Hing des Mägdleins glänzendes Aug' an der Führerin Antlitz. Und es neigte der Tag. Auf des Meers lasure- nem Bette
Ruhete grossgeaugt und segenspendend die Sonne. Feyrend lag vor der Segnenden Auge die freundliche Schöpfung. Düft' entströmten dem Wipfel der Zedern; melodi-
sche Stimmen Rieselten durch ihr säuselndes Laub. Aus der Näh' und der Ferne Wehten äolischer Harfen Kläng' und der Orphica
Lispel. Cidli's staunende Seele durchzitterten Schauer auf Schauer. Inniger schmiegte sie sich und fester an Ziliens
Busen. Und nun waltete heilig die Nacht auf Hügeln und Thalen, Lau und frisch und strömend von Düften. Es
glimmte das Spätroth Durch das flitternde Laub, und färbte die Wangen des Mägdleins. Staunend empor sah Cidli zum sternebesäeten
Himmel. Andere Stern' erschienen der Wundernden; andre, als jene, Die ihr der Vater gezeigt, wenn gegenüber den
Fenstern Sirius flammten und Rigel, und Betegeuze die Schöne; Andere, schönere, funkelndre Stern' erschienen der
Kleinen. Emsig schaute sie auf. Und sieh! am Saume des Osten Glomm ein weisslicher Schimmer empor. Der sil-
berne Schimmer Lichtete sich mit jeglichem Nu. Und siehe, mit einmal Quoll ein leuchtender Ball herauf aus den grollenden
Fluthen. Weithin glänzte die Fluth; es glänzten die Häupter der Berge. Ziliens hehres Aug' erglänzt' in Thränen der Rüh-
rung. Zärtlicher schmiegte sich Cidli an sie; und „Zilia“ sprach sie: „welch ein Mond ist diess! Viel schöner wahrlich
ist dieser, „als der blasse, der manche Nacht mit fliessendem Silber „unsre Wände daheim besprengt' und mein schwel-
lendes Lager. „lieb war jener und gut; doch grösser ist dieser und schöner.“
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