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1788

Bei Salmors Abschied

Gotthard Ludwig Kosegarten

Die Sonn' ist hin – Welch' Düsterniß umschwebt mir den verstörten Sinn! Die kalte Flur umsitzt die Nacht, Und auch in meiner Brust hat's ausgetagt.

Mein Freund ist hin – Welch' Düsterniß umschwebt mir den verstörten Sinn! Mein Jonathan ist fort, Und mit ihm floh die Lust aus meinem Herzen fort –

Schweren, dumpfen, hohlen Klangs Hallete des Abschieds düstre Stunde, Wie aus heis'rer Unken Munde Die Stimme des Wehegesangs.

Weh! – Weh! Sie hallet, der Stunden düsterste. Nun kommt er, langsam, finster, beklemmt, Wie Hagelgewölk im Herbste kömmt.

Und es wird feierlich stille, So wie die Schöpfung vor kommendem Donner wird – Des Schweigens finstre Hülle Umgiebet ihn. Sein dunkles Auge irrt.

Dem starren Mund enthallte Kein Lebewohl! Dem starren Aug' entwallte Kein Thränchen – Schwermuthvoll

Und schweigend sah' auf ihn der Freunde Antlitz nieder – Er naht sich – bebet und – geht, Und – bebt noch mehr, und – kehret wieder, Und – strecket die Arme – und geht. – – –

Weh! – Weh! Er geht, der Gute, der Redliche! – Da quoll die Zähre der Edlen Dem Auge des lieblichen Mädchens

Entquoll der Zähren Köstlichste. Ein Seraph faßte die Zähre, Wandelte sie in Rubin, Um zu des Mädchens Ehre

Künftig in ihrem Diadem zu glühn. Und flöss' um mich des Mädchens Zähre, Weinte sie um mich ihr helles Auge roth – Ich stürzte durch Eisgebirge, durch uferlose Meere,

Durch Schwert und Flammen in deine kalten Arme, Tod!!

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