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1758–1818

An Sulvina.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Erste der Mädchen, du Edelste Beste, Traulich, wie flisternde Schatten am Bach, Treu, wie des Himmels saffirene Feste, Zärtlich, wie flötender Nachtigallschlag,

Siehe, wie feyern, wie fröhlich, o Beste, Feyern wir deinen gesegneten Tag! Dass wir dich haben, und dass du uns liebest, Dass uns umgürtet dein freundlicher Arm,

Dass du mit uns dich erfreust und betrübest, Dass du uns lächelst in Lust und in Harm, Dass du der Tugenden Beyspiel uns giebest — Fühlen wir heute so innig, so warm!

Heiter, Geliebte, verwalle dein Leben, Freundlich, wie Quellengeriesel im Hayn! Jedem erblassenden Tag' entschweben Seelen, wie Engel, so lächelnd, so rein!

Heiss ist dein Ringen, und schön ist dein Streben, Nützlich und theuer den Deinen zu seyn! Nützlich, du Edle, und theuer den Deinen, Wandle die Wallfahrt der Erde hinab!

Ruhe umarm' dich in kühlenden Haynen, Frömmigkeit reiche dir Anker und Stab? Redliche werden den Rasen umweinen, Welcher einst hüllet dein hüglichtes Grab.

Aber der himmlischen Heimath der Tugend Schwinget die rechte Sulvina sich zu, Wandelt dort oben in ewiger Jugend, Ruhe folgt Thaten, und Thaten die Ruh.

Siehe, sie klimmet von Tugend zu Tugend, Kräftiger, seliger jegliches Nu. Liebe, Geliebte, die Himmlische immer. Lilien welken und Rosen verblühn.

Welten zerfallen in grausige Trümmer; Sonnen erlöschen und Sterne zersprühn. Thätige Tugend glänzt ewigen Schimmer; Nimmer verwelkt ihr unsterbliches Grün.

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