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1788

An meine Freunde

Gotthard Ludwig Kosegarten

Noch blüht mein jugendlich Leben Wie Frühlings Morgenroth heiter. Mir tagt die Sonn' Im jüngsten des Maienfrüh. Auch brennt mir mächtig im Busen

Der Gedanke, reißend, wie Donner im Schlachtgewühl: Daß Jüngling ich bin und frei. Ich fühl's, und fühle den Adel Der deutschen Seele – und fühle für Zärtlichkeit

Der Tugend vollbürtige Schwester. Auch hab' ich Freunde gefunden In Grevesmülens heimischer stiller Flur, Am Balth, an der Warne, am Rikk:

Und Mädchen hab' ich gefunden, Töchter des Schöpferhauchs, goldgelockt, süß und mild, Und rein an Busen und Seele. Fern wandl' ich jetzt von der Warne

Von Balth, von Grevesmülens heimischer Flur, Bald fern auch vom düsternblauen Rikk, Und weilt' ich im wüthigen Zaara Auf Tempens blumigen Feldern, auf Zembla's Schnee –

Ich dächte Euer, ihr Edlen, Dächt' Euer im Säuseln des Abends, Im Dämmern der Sommermondnacht, dächte Eu'r Und weinte mir die Wonne der Wehmuth. –

Wer kommt vom Hügel? Ein Edler, Der sucht mich lange und findet mich nicht, und spricht: Wo ist er, der Sänger, mein Freund? „Suche nicht den Sänger, du Edler.

Er ruht im kühleren Hause. Der Nordwind wiegt Den Wermuth auf seinem Grabe.“ Und hoch erseufzt mir der Edle: So bist du, Guter, so früh gefallen. Zu früh

„Bist mir gefallen, du Guter!“ Er wandelt thränend. Von fernen Ergeht das Mädchen meiner Seele und harrt, Und rufet: Wo bleibt mein Freund!

„Rufe nicht dem Freund', du Holde! Er schläft den eisernen Schlummer. Nicht hört sein Ohr Hinfort die Stimme der Theuren.“ Und kläglich jammert das Mädchen.

Ihr blaues Auge bewölkt sich. Ihr golden Haar Fließt milde über den Busen. Sie wandelt nächtlich zum Grabe. Im Wehen der Pappeln umsaus't sie mein Schatten, und sie

Seufzt: Ruhe mir sanft, du Werther!!

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