Wallt der Trennung Nebel endlich nieder? Strahlt des Wiedersehens goldner Tag? Dich, du Langentbehrte, find' ich wieder; Dich, du Langgemisste — aber ach!
Ach, von deines Alfred Arm umschlungen, Von des treuen Gatten Kuss durchdrungen, Angesonnt von seines Auges Licht, Find' ich dich, du Frühverlassne, nicht.
Heimgewallt zu jenen schönern Fluren, Wo ein ewiggrüner Frühling blüht; Wo das Mark erhabnerer Naturen Ewge Kraft und ewge Gluth durchsprüht,
Wo kein Siechender nach Heilung ächzet, Wo kein Traurender nach Tröstung lechzet, Wo kein Gram die schweren Wimper nässt, Und kein Schmerz den Busen engt und presst;
Wo kein Blendwerk unsre Augen blendet, Wo kein Nebel unsern Blick umflirrt, Wo kein Jubel sich in Jammer endet, Und den Wanderer kein Irrlicht irrt —
Heimgewallt zu Edens selgen Matten Ist der Schatten deines trauten Gatten; In der Überwinder helle Reihn Trat der vielgeprüfte Dulder ein.
Schau, wie rauschet der Vollendung Palme In des Schönverklärten Strahlenhand! Horch, wie jubeln des Triumphes Psalme, Höhnen alles Eitle, allen Tand!
Selig ist, den deine Seele liebte! Darum tröste dich, du Hochbetrübte! Störe nicht des Himmelbürgers Glück — Wende weg den grambewölkten Blick;
Wend' ihn weg von jenen Regionen, Wo der Vorwurf deiner Sehnsucht wallt, Weg von jenen sonnenhellen Zonen, Wo das englische Hosannah schallt —
Weg und hin zu den geliebten Deinen, Die für dich zum Himmel flehend weinen. Deine Julie flehet himmelan, Himmelan dein Karl und dein Johann.
„bleib bey uns!“ so rufen sie, und fliegen Blass von Wehmuth an dein Mutterherz. „bleib bey uns!“ so flehen sie, und schmiegen Immer brünstiger sich dir ans Herz —
„deines Lebens halbgeknickten Stengel „stärke der Genesung holder Engel, „dass noch lang' uns deine Lieb' erfreu, „lang' dein Beyspiel unsre Leuchte sey!“
Weile denn in deiner Trauten Kreise; Weile, Theure, noch ein Weilchen lang. Früh genug noch wagest du die Reise, Die dem Gatten viel zu früh gelang.
Neue Kraft durchströme dein Geäder, Spanne deiner Uhr erschlaffte Feder, Schmelze deiner Lebensgeister Fluth, Schüre ihre halbverglommne Gluth.
Manche Freude sey dir noch gesparet Auf der Erde mütterlichem Stern! Wo sich Frömmigkeit mit Leiden paaret, Bleibt Beruhigung nicht ewig fern.
Wahrlich, von des Glaubens Sternenhügeln Wird der Seraph Ruhe dich umflügeln, Balsam wird er träufeln auf dein Herz, Und in Schlummer lullen Gram und Schmerz
Oft umflort sich unsre Erdensonne, Glänzet goldner, wann der Flor verwallt. Reinern Einklang klinget unsre Wonne, Wann die Dissonanz des Grams verhallt.
Droben nur in jenen lichten Hallen, Wo die ausgeprüften Dulder wallen, Droben nur wohnt reine Seligkeit, Wohnt Vollendung und Vollkommenheit.
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