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1758–1818

An den Schatten des Numan.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Numan, dein gedenkt das Herz, Nimmer werde dein vergessen! Oft noch soll der herbe Schmerz Mir um dich die Wange nässen.

Lange noch sey dir mein Leid, Lange noch mein Lied geweiht. Du, den in der grausen Noth Mir der Gott zum Retter sandte;

Du, der von mir herben Tod, Und noch herbre Schande wandte; Den der Thaten Edelste Ach sein Herzblut kostete. . . .

Dunkles Schicksal, ach warum Musste so mein Numan enden? Giovanni, ach warum Musstest du den Freund vollenden? . . .

Doch das Schicksal, ernst und stumm, Achtet störrig kein Warum! . . . Numan, dein entseelter Staub Liegt im Schooss des Meers, und modert . . .

Oder ward vielleicht der Raub Düstre Fluth dir abgefodert? Hat vielleicht am öden Strand Ihn verscharrt des Fremdlings Hand?

Nun getrost! dein bessrer Theil, Numan, bleibet unverlohren. Ward nicht Christus, Aller Heil, Numan, auch für dich gebohren?

Dennoch sollte, rein und schön, Numans Seele untergehn? Numan, nein, war fromm und gut. Nein, auch Numan ward getaufet,

Ward durch Wasser und durch Blut Vom Verderben losgekaufet. Numan, Numan auch für die Starb, der mich erlöste, mich!

Einstens, wenn die Wage klingt, Wenn der ernste Richter richtet; Wenn die Rache blitzbeschwingt, Die verruchte Schaar vernichtet;

Wenn die Gnade, blutversöhnt, Mich und Giovanni krönt; Giovanni dann und ich Fassen Numan in der Mitten,

Und der Richter neiget sich Huldreich zu der Sünder Bitten. Ja der Richter wird versöhnt, Und auch Numan wird gekrönt.

Dann mit Numan Arm in Arm Wird mein Giovanni wallen. Aller Hader, aller Harm Endet sich in Wohlgefallen.

Froh wird dann Bianca stehn, Froh die Freunde wandeln sehn.

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