Blumen sucht' ich meiner Holden, Blumen unter Schnee und Schlossen. Doch der hochgeschwollnen Dolden Fand ich keine noch erblüht.
Hyacinthen fand ich schossen, Krokos, Primeln kaum erst sprossen. Nimm denn, Traute, was die Noth beschied, Nimm diess Buch, diess Band, diess Lied.
In des Büchleins Silberblättern Hörst du itzt ein Heimchen schwirren, Itzt den Sprosser gellend schmettern, Itzt den Bach, der schwatzend rollt.
Nie verlocken, nie verirren Wird dich dieser Zither Girren; Unentheiligt klingt ihr bebend Gold: Darum sey dem Büchlein hold.
Dieses Gürtels Goldgewinde Wird dich, Beste, nicht entstellen. Heilig ist das Angebinde, Heilig aus des Dichters Hand.
Seiner Schleifen lose Wellen Lass um deine Hüften schwellen. Ehre, Freundin, in dem armen Band Edler Freundschaft Unterpfand.
Doch, des Dichters beste Habe, Seines Geistes süsse Weide, Seiner Freundschaft schönste Gabe Ist der heilige Gesang.
Dieser adelt seine Freude, Tröstet ihn im Lebensleide, Kühlt ihn in der Leidenschaften Drang, Sichert ihm der Enkel Dank.
Also flötet Philomele, Wenn die Abendwolken blühen; Flammen strömen in die Seele, Und der Brust entstöhnt ein Ach!
Also zittern, also glühen, Wenn des Liedes Strahlen sprühen, Fromme Herzen, schlagen heissern Schlag, Und die Thräne stürzet nach.
Kennst du, Freundin, wohl die Feyen, Die des Mädchens Herz bewachen? Jene Guten, jene Treuen, Die aus Eden hergesandt,
Der Entschlafnen Kühlung fachen, Die Erwachende umlachen, Und die Tappende mit treuer Hand Leiten in das bessre Land?
Einfalt mit dem Taubenmuthe, Unschuld mit der Lammesblöde, Anmuth mit dem Schäferhute Diese sind der Jungfrau hold.
Sorgsam leiten sie die Blöde Durch des Lebens Wüst' und Öde In das Land, wo keine Thräne rollt, Keine Tücke schmollt noch grollt.
Sahst du wohl die Einfalt sitzen, Fremd dem modischen Getändel? Fremd dem Putz von Flor und Spitzen, Unterm niedern Halmendach?
Ihr Parfum ist Wiesenquendel Und die Blüthe der Lavendel, Ihre Zierde die Viol' am Bach, Ihr Concert der Wachtelschlag.
Willst du schaun der Unschuld Züge? Leise, leise, wie auf Socken, Nahe dich der kleinen Wiege, Drin der holde Säugling ruht!
Ihn umringeln blonde Locken, Wie der Schlüsselblume Glocken. Still in blauen Adern fliesst sein Blut, Weil er schuldlos ist und gut.
Siehst du dort bey Kerzenglanze Nymphenhaft die Anmuth schweben, Itzt im ernstern Feyertanze, Itzt im raschern Ringelreihn?
Dieses Sinken, dieses Heben, Dieses Wallen, dieses Weben, Dieser hohe Rythmus ist allein Innrer Schönheit Widerschein —
Die ihr unversöhnlich hasset, Euch der Schuld zu offenbaren, Aber gern euch schauen lasset Ungefälschtem reinem Sinn:
O ihr Treuen, o ihr Wahren, O ihr Himmlischen, ihr Klaren, Leitet freundlich meine Lieblingin Durch des Lebens Irren hin!
In des Frühroths lichtem Schimmer, In des Spätroths blassem Golde Wandle friedlich, meine Holde, Auf der Freude Rosenspur.
Fern vom kerzenhellen Zimmer Ruhe gern im Sterngeflimmer Auf dem Teppich der beblümten Flur, An dem Busen der Natur.
Wenn zu brausend und zu lüstern Dir der Freude Becher blinket, Lausch' auf jener Stimme Flistern, Die in deinem Busen spricht.
Wenn die Sünde kosend winket, Wenn die Schwachheit schwankt und sinket, Höre du den ernsten Ruf der Pflicht, Höre sie und wanke nicht!
Würzig dufte, rosig blühe Eine schimmernde Aurore, Deines Lebens süsse Frühe, Bis dir winkt die ernstre Pflicht;
Bis die hochzeitliche Hore, Hold wie Hebe, frisch wie Flore, Dir mit hocherröthendem Gesicht Myrten um die Locken flicht.
Keines Unmuths Wölkchen trübe Deiner Zukunft glatten Spiegel. Wandl' im Schirm der ewgen Liebe, Bis dein Mittag Abend wird.
Schwinge, Psyche, nun die Flügel, Während um den stillen Hügel Melancholisch die Cypresse schwirrt, Und ein Täubchen einsam girrt.
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