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1758–1818

Ahnung.

Gotthard Ludwig Kosegarten

Schau, das junge Jahr erlau't, Und der Ströme Grundeis thau't. Dampfend stehn die Triften. Horch, der Turteltauber girrt,

Und der Lerche Brautlied schwirrt In den mildern Lüften. Bringt des Frühlings Erstlinge, Krokos mir und Glockenschnee,

Dass mein Herz sich labe. Wenn das junge Jahr verbleicht, Streift der Abendwind vielleicht Über meinem Grabe.

Satt des langen Zwangs zerreisst Sein Gespinnst der ew'ge Geist — Fleusst in lauen Wellen Nicht mein Leben purpurn fort?

Fühl' ich nicht zerschlitzt den Ort, Den die Seufzer schwellen? Sonne, nie erlahmt dein Schwung, Ewig frisch und ewig jung

Grün'st du, schöne Erde. Über Land und Wasser schwebt Gottes Hauch. Das All belebt Sein erbarmend Werde.

Wir nur, wir . . . gefärbter Schaum . . . Einer Lenznacht nicht'ger Traum . . . Kommen und verschwinden. Kaum vom schweren Schlummer wach,

Schaun wir mühsam in den Tag, Blinzeln und erblinden. — — Doch der dunkle Tropfe sinkt Und des lautrern Aethers trinkt

Der genes'ne Sieche. Los des düstern Sarkophags, Freut sich des entflorten Tags Die erlös'te Psyche. —

Bringt des Jahres Erstlinge, Krokos mir und Glockenschnee, Dass mein Herz sich labe! Eh des Frühlings Wang' verbleicht,

Triumphirt erlöst vielleicht Psyche überm Grabe!

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