Einmal noch in deiner Fluthen Rauschen, Blaue Peene, rauscht mein Hochgesang. Einmal noch, und nimmer wieder, lauschen Deine Ufer meiner Lyra Klang.
Einen Tag des Wehs wird Eos röthen, Und des Liebesliedes leises Flöten, Und des Hymnus fey'rliches Drommeten Schweigt auf deiner Flur äonenlang.
Drob empfind' ich Wehmuth mich umschleyern. Meine Seele wölkt Melancholie. Deinen Tag, mein Bruder, wollt' ich feyern; Doch der goldnen Saiten Harmonie
Weinet in gebrochnen Dissonanzen, Und des Brautgesanges sanfte Stanzen, Statt des Hymenäus Tanz zu tanzen, Schleichen trägen Gang, wie Threnodie.
Haucht nicht Frühling schon in lauern Lüften? Goldet sich nicht schon der Berge Moos? Weint der Halbmond nicht aus weissen Düften? Kreisst nicht schon der Erde Mutterschooss?
Wann am Blüthenbaum die Knospe schwellet, Wann der Haiden düstres Braun sich hellet, Und der Unke Lied im Schilfe gellet, Reiss' ich mich von meinen Lieben los;
Eile, ungehemmt von ihren Klagen, Hin, wo mir dein Finger, Vorsicht, winkt; Wo der Sonne goldgeschirrter Wagen Früher steigt, und früher niedersinkt;
Wo der Belte Grundeis später thauet, Später das erfrorne Jahr erlauet, Wo Fomahant nie dem Meer entschauet, Mirach nie des Oceanes trinkt.
Ha! schon seh' ich, Überweht von Wimpeln sonder Zahl! Wie sie lodern in des Frühroths Gluthen! Wie sie flimmern in des Monden Strahl!
Wie die farbenreichen Flaggen wallen! Wie des frohen Seemanns Jubel schallen! Horch, die buchtenvollen Ufer hallen, Und es lauscht des Hirten friedlich Thal.
Aber, wann die müde Schöpfung feyert, Wann des Abends dunkles Negligee Alle Flur und alle Fluth verschleyert, So umwölkt mich heimverlangend Weh.
Sehnsuchtvoll entschleich' ich dem Gewimmel, Wandle fern von lastendem Getümmel, Schau' empor zum sternbesäten Himmel, Horche traurend dem Gebrüll der See;
Und in ferne trauliche Gefilde Träum' ich mich zu meinen Lieblingen, Wandel' itzt an deinen Ufern, Itzt, o
Itzt in Itzt, o Itzt in Rügens Berg- und Waldgewinden, Unter meinen Heimgebliebenen.
Blässer färben sich des Spätroths Gluthen, Ernster sieht das Antlitz der Natur. Jedes Trauten denk' ich, jedes Guten Auf des Vaterlandes süsser Flur.
Denk' auch eurer, ihr geliebten Beyden, Die ihr heut' in Freuden und in Leiden, Einer von dem andern nie zu scheiden, Euch vereinigtet mit heilgem Schwur.
Seyd beglückt, ihr Guten, mit dem Glücke, Das der Himmel Wenigen gewährt. Eure Seelen, sonder Falsch und Tücke Sind des bessern Erdelooses werth.
Mögen, Eines an des andern Seiten, In den Ocean der Ewigkeiten Euer Leben hell und klar vergleiten, Durch Verhängnissstürme nie versehrt.
Blühn in eures Hauses stillem Zirkel Müss' um euch das Blümchen Fröhlichkeit! Sonder Schnörkel ist, und sonder Schnörkel, Still und heimisch ist Glückseligkeit.
Nicht in bunten, steifen, stummen Kreisen, In Visiten nicht, und nicht in Schmäusen, Nicht am Schenk- noch Spieltisch winkt dem Weisen Herzerquickende Zufriedenheit.
Sondern heim am Herd der eignen Hütte, In des Gatten tugendlichem Schooss, In geliebter Kleinen froher Mitte, Lebt sichs neideswerth und neideslos.
Lässt's der Himmel einem dann noch glücken Hier und da den Bruder zu erquicken, Und sein sorgend Auge zuzudrücken, O, so fühlt man sich recht froh und gross.
Euer seyn sie, diese ächten Wonnen! Denn was sonst dem Menschen Wonne daucht, Ist Gespinnst, im Herbstgedüft gesponnen, Und zerflattert, wann der Morgen haucht.
Nur die Freude schönerfüllter Pflichten Mag des Lebens heissen Hader schlichten, Und das grimme Dunkel um uns lichten, Wann das Seyn ins Nichtseyn untertaucht.
Schöne, menschenehrende Gefühle! Leitet meine Lieben sanft und schön Durch des Lebens Kreuzzug zu dem Ziele, Wo die Palmen der Belohnung wehn;
Wo die Nebel unserm Blick entwallen, Wo die Schuppen uns vom Auge fallen, Wo die Staunenden Entzücken lallen, Und Geschiedene sich wieder sehn.
Aber, bis wir dort uns wiederschauen, Denket auch in meiner Ferne mein! Denket mein, die ihr in diesen Auen Mich umfinget sonder Schmink' und Schein!
Wann ihr wandelt, wo die hohen Rüstern In des Abends Säusel schaurig lüstern, Längs der weissen Kirchhofmauer flistern, Meine Theuern, so gedenket mein!
Wann ihr irret in den alten Trümmern, Wo im weitverheerten Burgrevier Blasse Schatten auf dem Schutte wimmern, Aller Kraft beraubt und aller Zier;
Wann dann in den dunkeln Fliedergängen Leise Schauer euch die Brust beengen, Und Erinn'rungen euch überdrängen, Meine Trauten, o so sprecht von mir!
Wann ihr auf der Zisa braunen Gipfeln Arm in Arm euch sonnt im Abendstrahl; Wann es sauset in den Tannenwipfeln, Und es dampft in Hochdorfs Wiesenthal;
Wann ihr starr dann in das Spätroth blicket, Dann euch inniger die Hände drücket, Dann euch hier und da ein Nelkchen pflücket: Meine Theuern, denkt auch mein einmal!
Denken will ich euer, bis die Parze Meines Lebens schlanken Stengel knickt. Bis der Jüngling mit gesenkter Kerze Zu Elisiums Sängern mich entrückt;
Bis am wogenbrechenden Gestade, Wo ich wallte meine letzten Pfade, Meine Urn die traurende Najade Mit Seelilien und Lotos schmückt.
Und mich ahnet, dass nicht lange, lange Jene Zone mich gefangen hält. Mächtig ahnets mich und süss und bange, Dass der Fremdling, der die Brust mir schwellt,
Den schon lange dieser Kerker enget, Der schon lange rastlos aufwärts dränget, Bald vielleicht die morsche Hülle sprenget, Und empor sich schwingt zu bessrer Welt.
O des Trostes! o des Vollgenusses! Aller Thorheit, aller Eitelkeit, Alles Siechens, alles Überdrusses, Alles Tands und alles Zwangs entfreyt —
In den sonnenvollen Himmelzonen, In des Empyräums Regionen, Mit den Sokraten und den Platonen Lustzuwandeln durch die Ewigkeit!
O des ächten Geisterwerthen Glückes, Unzerstreut durch inhaltlosen Harm, Ungelähmt durch Schläge des Geschickes, Ungeneckt durch niedrer Sorgen Schwarm —
Eingelullt in trunkenes Vergnügen, Höchstes Schön, in deinem Schooss zu liegen, Deiner Brust sich innigst anzuschmiegen, Sanft umschürzt von deinem Feenarm!
Eines nur ist Noth, und Eins wird bleiben! Möge Pepromenens Machtgebot Der Atomen Bau wie Spreu zerstäuben — Eines höhnt den Sichelschwinger Tod.
Möge die Natur ihr Grablied girren, Sonn' und Mond aus ihren Bahnen irren, Flug- und Schwerkraft selber sich verwirren — Eines bleibet, und nur Eins ist noth.
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