Dich verlassen soll ich, dich verlieren, Die ich mir aus einer Welt erkohr? Die mit Blick und Druck und Kuss und Schwüren Frey und willig sich an mich verlor?
Deinem Arme soll ich mich entwinden, Der aus Millionen mich umwand? Deines Flammeneides dich entbinden, Der für Zeit und Ewigkeit dich band?
Ida, kannst du Demantketten brechen, Wie dein Finger schwache Fäden bricht? Ida, wird sich nicht die Liebe rächen, Der rebellisch sich dein Arm entflicht?
Willst du einsam durch das Leben irren, Willst du stablos seinen Sturm bestehn, Ungetröstet deine Klagen girren, Ungeklagt ins Reich der Schatten gehn?
Oder kannst du deine Liebschaft ändern, Leicht und luftig, wie ein Sonntagskleid? Spielen Mädchen, wie mit Flor und Bändern, So mit Treu und Schwur und Ewigkeit?
Finden magst du in der Freyer Reihe Einen schönern, klügern, reichern leicht; Aber ach, auch einen, der an Treue, Der an Liebe deinem Liebling gleicht?
Hab' ich dich nicht mehr, als Licht und Leben, Als die Freundschaft, als den Ruhm geliebt? Hab' ich dir nicht freudig hingegeben, Was die zarte Liebe heischt und giebt?
Hab' ich nicht dem Schönen, Guten, Wahren Aufgeschlossen deinen treuen Blick? Hab' ich nicht, um dich nur, dich zu sparen, Aller Ruh entsagt und jedem Glück?
Rings und immer, wie der Gottheit Fülle, Heilges Mädchen, so umfingst du mich. Dir nur huldigte der stolze Wille, Dich nur meinte meine Sehnsucht, dich.
Spät und früh, Geliebte, nah und ferne Warst die Richtung meiner Kräfte du. Oftmals sank der späteste der Sterne, Und noch flohn das Auge Schlaf und Ruh.
Wahrlich, Ida, so mit heissem Schmachten, So mit hochgespannter Schwärmerey, So mit Schicksaltrotz und Weltverachten, Mit Gefühl, Verstand und Fantasey,
So verschenkt an dich, an dich vergeben, Ach, auf Gnad' und auf Barmherzigkeit, Liebt in diesem, liebt in jenem Leben, Liebt dich keiner mehr in Ewigkeit.
Und, o Seligkeit, von kurzer Dauer! Du auch liebtest mich. Dein knospend Herz Öffneten des Ahnens leise Schauer, Schütterte des Sehnens süsser Schmerz.
Schönre Rosen schmückten deine Wangen. Deine Augen hüllt' ein leichter Flor. Namenloses, heimliches Verlangen, Schwellte mächtiger die Brust empor.
Dein Gesang verrieth des Herzens Wunde. Deine Laute girrte süssen Schmerz — Und in einer trunkenen Sekunde Sankst du liebewimmernd mir ans Herz,
Wandest los dich, flohest, und im Fliehen Rief dein strömend Auge: Dein, ach dein! Flammen fühlt' ich durch das Mark mir sprühen. Tieferschüttert rief ich: Mein, ja mein!
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