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1724–1803

Selmar und Selma.

Friedrich Gottlieb Klopstock

Meine Selma, wenn aber der Tod uns Liebende Wenn dein Geschick dich zuerst zu den Unsterbli- Ach, so werd ich um dich mein ganzes Leben durch- Jeden nächtlichen Tag, jede noch trübere Nacht!

Jede Stunde, die sonst in deiner Umarmung vorbey floß, Jede Minute, die uns, zärtlich genossen, entfloh! Ach, so vergehen mir dann die übrigen Jahre voll Wie der vergangenen keins ungeliebt uns entfloh.

Ach mein Selmar, wenn künftig der Tod uns Lie- Wenn dein Geschick dich zuerst zu den Unsterb- Ach, dann wein’ ich um dich mein ganzes übriges Leben, Jeden unbrauchbaren Tag, jede mir schreckliche

Jede Stunde, die sonst, mit deinem Lächeln erheitert, Unter dem süssen Gespräch zärtlicher Thränen ent- Ach so vergehen mir dann die übrigen Tage voll Schwer- Wie der vergangenen keins ungeliebt uns entfloh.

Meine Selma, du wolltest nach mir nur Tage noch Und ich brächte noch die Jahre voll Traurigkeit zu? Selma, Selma, nur wenig unbrauchbare trübe Mi- Bring ich, bist du erblaßt, neben dir seelenlos zu!

Nehme noch Einmal die Hand der Todten, küsse dein Einmal noch, in die Nacht sink ich, und sterbe Selmar, ich sterbe nach dir! den Schmerz soll Sel- Daß er sterbend mich sieht. Selmar, ich sterbe

Bringe dann auch nur wenig unbrauchbare trübe Mi- Bist du, Selmar, erblaßt, neben dir seelenlos zu! Blicke noch einmal dich an, und seufze noch einmal: Sink an die ruhende Brust, zittr’ und erblasse

Selma, du stürbest nach mir? den Schmerz soll Sel- Daß sie sterbend mich sieht. Selma, du stirbst Selmar, ich sterbe nach dir! Das ist es, was ich vom Längst schon mit Thränen erbat. Selmar, ich

Ach wie liebest du mich! Sieh diese weinenden Augen! Fühle dieß bebende Herz! Selma, wie liebest du mich! Meine Selma, du stürbest nach mir? du fühltest die Daß du sterbend mich sähst? Selma, wie liebest

Ach wenn eine Sprache doch wäre, dir alles zu sagen, Was mein liebendes Herz, meine Selma, dir fühlt! Würde dieß Aug und sein Blick, und seine Zähren Und dieß Ach des Gefühls, das mir gebrochen entfloh,

Doch zu einer Sprache der Götter, dir alles zu sagen, Was mein liebendes Herz, meine Selma dir fühlt. Ach, wenn doch kein Grabmal wäre, das Liebende Die einander so treu, die so voll Zärtlichkeit sind!

Aber weil ihr denn seyd, ihr immer offenen Gräber, Nehmet zum wenigsten doch nehmet auf einmal Hörest du mich, der zur Liebe mich schuf? Ach! wenn Laß mit eben dem Hauch Selma sterben, und

Selmar, ich sterbe mit dir! Ich bete mit dir von Diese Wohlthat herab. Selmar, ich sterbe mit

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