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1724–1803

Der Messias . Zweyter Gesang.

Friedrich Gottlieb Klopstock

Jtzo stieg über die Cedernwälder der Morgen herunter. Jesus erhub sich, ihn sahn in der Sonne die Seelen der Väter. Als sie ihn sahn, da sangen zwo Seelen so gegeneinander, Adams Seele, mit ihr die Seele der göttlichen Eva:

Schönster der Tage, du sollst vor allen künftigen Tagen Festlich und heilig uns seyn, dich soll vor deinen Gefährten, Kehrst du wieder zurück, die Seele des Menschen, der Seraph Und der Cherub, beym Aufgang und Untergange, begrüssen.

Steigst du zur Erden herab; verbreiten dich Orione Durch die Himmel; und gehst du beym Throne der Herrlichkeit Gottes Heilig hervor, so wollen wir dir in feyrendem Aufzug Jauchzend mit Hallelujagesängen entgegen segnen!

Dir, unsterblicher Tag, der du unsern getrösteten Augen Gott, den Meßias, auf Erden in seiner Erniedrung entdeckest! Wie er so schön ist! O, unser Meßias in menschlicher Bildung! Wie sich in seinem erhabenen Ansehn die Gottheit enthüllet!

Selig bist du und heilig, die du den Meßias gebahrest, Seliger als Eva, die Mutter der Menschen. Unzählbar Sind zwar die Söhne von ihr, doch zugleich unzählbare Sünder. Aber du hast einen, nur einen göttlichen Menschen,

Einen gerechten, ach einen unschuldigen theuren Meßias, Einen Sohn Gottes, unsterbliche Tochter der Erde, gebohren! Zärtlich mit irrendem Blick seh ich zur Erden hernieder, Dich, Paradies, dich seh ich nicht mehr. Du bist in den Wassern

Weggeschwemmt, in Wassern der allgegenwärtigen Sündflut. Deiner erhabnen umschattenden Cedern, die Gottes Hand pflanzte, Deiner friedsamen Lauben, der jungen Tugend Behausung, Hat kein Sturmwind, kein Donner, kein Todesengel geschonet!

Bethlehem, wo ihn Maria gebahr, und ihn brünstig umarmte, Sey du mir mein Eden; du Brunnen Davids, die Quelle, Wo ich göttlich erschaffen zuerst mich sahe; du Hütte, Wo er weinte, sey du mir die Laube der ersten Unschuld!

Ach hätt ich dich in Eden gebohren, du Göttlicher! hätt ich Gleich nach vollbrachter entsetzlichen That dich, Sohn, gebohren Siehe, so wär ich mit dir zu meinem Richter gegangen; Da, wo er stand, wo unter ihm Eden zum Grabe sich aufthat,

Wo der Erkenntnisse Baum mir fürchterlich rauschte, wo Stimmen Seiner Donner des Fluchs gefürchteten Richterspruch sprechen, Wo ich im bangen Erbeben dahinsank, und sterben wollte, Da wär ich zu ihm gegangen: dich, Sohn, hätt ich weinend umarmet

Und an mein Herze gedrückt, und gesagt; Ach zürne nicht, Vater! Zürne nicht mehr, ich habe den Mann Jehova gebohren! Heilig bist du, und anbetenswürdig und ewig, o Erster! Der du dir deinen göttlichen Sohn von Ewigkeit zeugtest,

Und ihn, nach deinem Bilde gezeugt, zum Erlöser der Menschen, Meines von mir beweinten Geschlechts, erbarmend erwähltest. Gott hat meine Thränen gesehen; ihr habt sie gesehen, Seraphim, und sie gezählt; auch ihr, ihr Seelen der Todten,

Seelen meines entschlafnen Geschlechts, habt sie alle gezählet. Wärest du nicht, o Meßias, gewesen, die ewige Ruhe Hätte mir selbst traurig, und ungenießbar geschienen. Aber in deinem göttlichen Umgang, von deiner Erbarmung,

Stifter des ewigen Bundes, sanft überschattet, da lernt ich Selbst in zärtlicher Wehmuth mehr Seligkeiten empfinden. Und nun trägst du sein Bild, das Bild des sterblichen Menschen! Gottmensch Erlöser, dich bethen wir an! Vollende dein Opfer,

Das du für uns, unsterblicher Gott, zu vollenden herabstiegst. Mache die Erde bald neu, die du zu verneuen beschlossest, Dein und unser Geburtsland. Komm bald gen Himmel zurücke! Komm, sey gegrüßet in deinen Erbarmungen, Gottmensch Erlöser!

Also ertönte mit mächtigem Klang die Stimme der Seelen Durch die Gewölbe der englischen Burg. Der Meßias vernahm sie Fern in der Tiefe. Wie mitten in heiligen Einsiedleyen, In zukünftige Folgen vertieft, prophetische Weisen

Dich, von fern sanftwandelnde Stimme des Ewigen, hören. Jesus gieng den Oelberg hinab. An der Mitte des Oelbergs Stand ein Palmbaum auf niedrigen Hügeln vor allen erhaben, Von leichtschimmernden Wolken des Morgennebels umflossen.

Unter dem Palmbaum vernahm der Meßias den Schutzgeist Johannes, Raphael ist sein Name, der ihn hier betend verehrte. Liebliche Winde zerflossen vom Palmbaum, und trugen die Stimme Die sonst keine Geschöpfe nicht hörten, zum Mittler hernieder.

Raphael komm, rief ihm der Meßias mit freundlichem Anblick, Wandle mir hier ungesehen zur Seite. Wie hast du die Nacht durch Unsers lieben Johannes unschuldige Seele bewachet? Was für Gedanken, die deinen Gedanken, o Raphael, glichen,

Hatte sie? Wo ist er itzt? Ich bewacht ihn, sagte der Seraph, Wie man die Erstlinge deiner Erwählten, o Mittler, bewachet. Seinen eröffneten Geist umschatteten heilige Träume, Träume von dir. O hättest du ihn da schlummern gesehen,

Als er dich, Göttlicher, sah! Ein heiliges Frühlingslächeln Füllte sein Antlitz. Dein Seraph hat auch in Edens Gefilden Adam gesehn, da er schlief, und das Bild der werdenden Eva Und des bauenden Schöpfers vor seine Gedanken herabkam.

Aber so schön war er nicht, wie dein göttlicher Jünger Johannes. Doch itzt ist er dort unten in traurigen nächtlichen Gräbern, Und klagt einen besessenen Mann, der im Staube der Todten Fürchterlich bleich, wie ein bebend Gerippe, hin ausgestreckt lieget.

Jesus, du solltest ihn sehn, du solltest den zärtlichen Jünger Neben ihm voller mitleidigen Kummers und Wehmuth erblicken, Wie ihm vor Menschenliebe sein Herz erbarmend zerfließet, Wie er erbebt. Mir selbst drang eine wehmüthige Thräne

Zitternd ins Auge. Da wandt ich mich weg. Das Leiden der Geister, Die du zur Ewigkeit schufst, ist mir stets durch die Seele gedrungen. Raphael schwieg. Das Auge des Mittlers sah zürnend gen Himmel. Großer Vater, erhöre mich itzt! Der Menschenfeind werde

Deinen Gerichten ein ewiges Opfer, das jauchzend der Himmel, Das voll Bestürzung und Schand und Schmach die Hölle betrachte! Also sagt er, und näherte sich den Gräbern der Todten. Unten am mitternächtlichen Oelberge waren die Gräber

In zusammengebirgte zerrüttete Felsen gehauen. Dick und finster verwachsene Wälder verwahrten den Eingang Vor dem Blicke des fliehenden Wandrers. Ein trauriger Morgen Stieg, wenn über Jerusalem schon der Mittag sich senkte,

Zu den Gräbern noch dämmernd mit kühlem Schauer hinunter. Samma, so hieß der besessene Mann, lag neben dem Grabe Seines jüngsten geliebtesten Sohns in kläglicher Ohnmacht. Satan ließ ihm die Ruh, ihn desto ergrimmter zu quälen.

Hier lag er bey den Gebeinen des Knabens in Moder und Asche. Neben ihm stand sein anderer Sohn, und weinte zu Gott auf. Jenen verstorbenen, welchen der Vater und Bruder beweinten, Hatte vordem die zu zärtliche Mutter, durch Flehen erweichet,

Mit in die Gräber zum Vater hinab gebracht, welchen Satan Ungestüm und voll grimmiger Wuth bey den Todten herumtrieb. Ach mein Vater! so rief der kleine geliebte Benoni, Und entfloh den Armen der Mutter, die ängstlich ihm nachlief;

Ach mein Vater, umarme mich doch! und krümmt um die Hand sich, Drückte sie an sein Herz. Der Vater umfaßt ihn, und bebte. Da nun der Knabe mit kindlicher Inbrunst ihn zärtlich umhalste, Da er mit stillem liebkosenden Lächeln ihn jugendlich ansah,

Warf ihn der Vater an einen entgegenstehenden Felsen, Daß sein zartes Gehirn an blutigen Steinen herabrann, Und mit leisem Röcheln entfloh die Seele voll Unschuld. Nunmehr klagt er ihn trostlos, und faßt das kalte Behältniß

Seiner Gebeine mit sterbendem Arm. Mein Sohn, ach Benoni! Ach Benoni, mein Sohn! so sagt er, und jammernde Thränen Stürzen vom Auge, das bricht und langsam starrend erstirbet. Also lag er und ängstigte sich, da der Mittler hinabkam.

Joel, der andere Sohn, verwandte sein thränendes Antlitz Von dem Vater, und sah den Meßias im Grabmal dahergehn. Ach! mein Vater, erhub er voll froher Verwundrung die Stimme, Jesus, der große Prophet, kömmt in die Gräber hernieder.

Satan hört es, und sahe bestürzt durch die Oeffnung des Grabmals. So sehn Gottesläugner, der Pöbel, aus düstern Gewölben, Wenn das hohe Gewitter am donnernden Himmel heraufzieht, Und der Rache gefürchtete Wagen in Wolken sich wälzen.

Satan hatte bisher nur Samma von ferne gepeinigt. Aus den tiefsten entlegensten Enden des nächtlichen Grabmals Sandt er langsame Plagen hervor. Jtzt erhub er sich wieder Rüstete sich mit Todesschrecken, und stürzt auf Samma.

Samma sprang auf, dann fiel er von neuem ohnmächtig darnieder. Seine dem Tode noch kaum entgegenringende Seele Trieb ihn, von dem mördrischen Feinde zum Unsinn empöret, Felsenan. Hier wollt ihn vor deinen göttlichen Augen,

Großer Meßias, der Satan am schroffen Felsen zerschmettern. Doch du warest schon da, und deine voreilende Gnade Trug dein verlaßnes Geschöpf auf treuen allmächtigen Flügeln, Daß er nicht sank. Da ergrimmte der Geist des Menschenverderbers

Und erbebte. Die kommende Gottheit erschreckt ihn von ferne. Indem richtete Jesus sein helfendes Antlitz auf Samma. Eine belebende göttliche Kraft, mit dem Blicke vereinbart, Gieng von ihm aus. Da erkannte der arme verlassene Samma

Seinen Erlöser. Ins bleiche Gesicht voll Todesgestalten, Kam die Menschheit zurück, er schrie, und weinte gen Himmel. Jtzt wollt er reden, allein kaum konnt er von Freuden erschüttert Bebend stammeln. Doch breitet er sich mit sehnlichen Armen

Nach dem Ewigen aus, und sah mit getrösteten Augen, Voll von Entzückung, nach ihm von seinem Felsen herunter. Wie die Seele trübsinniger Weisen, die, in sich gekehret, Und an der Ewigkeit ihrer zukünftigen Dauer verzweifelnd,

Innerlich bebt; der Unsterblichen schauert vor ihrer Zernichtung; Aber itzt nahet sich ihr der weisern Freundinnen eine, Jhrer Unsterblichkeit sicher, und stolz auf Gottes Verheißung, Kömmt sie zu ihr mit tröstendem Blick. Die trübe Verlaßne

Heitert sich auf, und windet mit Macht vom jammernden Kummer Ungestüm freudig sich los; nun jauchzt die ewige segnend, Wie im Triumph, über ihrer verneuten unsterblichen Größe. Also empfand der besessene Mann die Beruhigung Gottes.

Und drauf sprach der Meßias mit mächtiger Stimme zu Satan: Geist des Verderbens, wer bist du, der du vor meinem Gesichte Dieß zur Erlösung erwählte Geschlecht, die Menschen, so quälest? Ich bin Satan, antwortet ein zorniges tiefes Gebrülle,

König der Welt, die oberste Gottheit unsclavischer Geister, Die mein Ansehn zu etwas erhabnerm, als zu den Geschäfften Himmlischer Sänger bestimmt hat. Dein Ruf, o sterblicher Seher, Dieser dein Ruf drang, wer du auch bist, zur untersten Hölle.

Selbst ich verließ sie, sey stolz auf deines Königs Bemühung! Dich, von himmlischen Sclaven verkündigten Heiland, zu sehen. Doch du wurdest ein Mensch, ein götterträumender Seher, Wie die, welche mein mächtiger Tod in die Erde begraben.

Darum gab ich nicht Acht, was die neuen Unsterblichen thaten. Doch nicht müßig zu seyn, so plagt ich, das hast du gesehen! Deine Geliebten, die Menschen. Da sieh des Todes Gestalten, Meine Geschöpf, auf diesem Gesicht! Jtzt eil ich zur Hölle.

Unter mir soll mein allmächtiger Fuß das Meer und die Erde, Mir anständige Wege zu bahnen, gewaltsam verwüsten. Dann soll die Höll im Triumph mein königlich Angesicht schauen. Willst du was thun, so thu es alsdann. Ich kehre zurücke,

Hier auf der Welt mein erobertes Reich, als König, zu schützen. Unterdeß stirb noch, Verlaßner, vor mir! So sagt er, und stürzte Stürmend auf Samma. Allein des ruhigschweigenden Mittlers Stille verborgne Gewalt kam, gleich der Allmacht des Vaters,

Wenn er Welten geheim und still den Untergang zuwinkt, Satan im Zorne zuvor; er floh, und vergaß im Entfliehen, Unter allmächtigem Fuße das Meer und die Erde zu schlagen. Unterdeß stieg Samma von seinem Felsen hernieder.

Also entfloh vom hohen Euphrates Nebucadnezar, Da ihm der Rathschluß der heiligen Wächter die menschliche Bildung Wiederum gab, und ihn zum Anschaun des Himmels erhöhte. Gottes Schrecknisse giengen nicht mehr, mit dem Rauschen Euphrates,

Vor ihm in dunklen sinaischen Donnerwettern vorüber. Nebucadnezar kam auf die stolzen Höhen zu Babel, Nicht mehr als Gott; er lag, von da gen Himmel verbreitet, Dankbar im Staube gebeugt, den Ewigern anzubeten.

Also kam Samma zu Jesu herab, und fiel vor ihm nieder. Darf ich dir folgen, du heiliger Mann? ach laß mich mein Leben Das du mir wieder geschenkt, bey dir, Mann Gottes, vollenden! Also sagt er, und schlung sich mit brünstigen zitternden Armen

Um den Erlöser, der ihm, mit menschenfreundlichen Blicken, Dieses erwiederte: folge mir nicht, doch verweile dich künftig Mehr als sonst um Golgathas Hügel, da wirst du die Hoffnung Abrahams und der Propheten mit deinen Augen erblicken.

Indem Jesus zu Samma so sprach, da wandte sich Joel Zu Johannes, und sagte zu ihm, mit schüchterner Unschuld: Ach du lieber Mann, führe du mich zum großen Propheten, Daß er mich höre, du kennest ihn ja. Der zärtliche Jünger

Nahm ihn, und führt ihn zu Jesu, da sagt er in seiner Unschuld; Gottes Prophet, so kann denn mein Vater und ich dir nicht folgen? Aber, o darf ichs wohl sagen, warum verweilest du itzo Hier, wo mein jugendlich Blut vor den Gräbern der Todten erstarret?

Komm doch, du göttlicher Mann, in meines Vaters Behausung. Dich soll hier meine verlassene Mutter mit Demuth bedienen. Milch und Honig, die lieblichsten Früchte von unseren Bäumen, Sollst du genießen; die Wolle der jüngsten Lämmer in Auen

Soll dich bedecken. Ich selber will dich, o Gottes Prophete, Kömmt die Sommerszeit, unter die Schatten der Bäume begleiten, Die mein Vater im Garten mir gab. Mein lieber Benoni! Ach Benoni, mein Bruder! dich laß ich im Grabe zurücke.

Ach nun wirst du mit mir die Blumen künftig nicht tränken! Niemals wirst du am kühlenden Abend mich brüderlich wecken! Ach Benoni! ach Gottes Prophet, da liegt er im Staube! Jesus sah ihn erbarmungsvoll an, und sprach zu Johannes:

Wische dem Knaben die Zähren vom Antlitz; ich hab ihn viel edler Und rechtschaffner, als viele von seinen Vätern, erfunden. Also sagt er, und blieb mit Johannes allein in den Gräbern. Unterdeß gieng Satan, mit Dampf und Wolken umhüllet,

Durchs Thal Josaphat, über das todte Meer finster hinüber. Von da kam er zum wolkichten Carmel, vom Carmel gen Himmel. Hier durchirrt er mit grimmigem Blicke den göttlichen Weltbau, Daß er noch durch so viele Jahrhunderte, seit der Erschaffung,

In der ersten von Gott ihm gegebnen Herrlichkeit glänzte. Gleichwohl ahmt er ihm nach, und änderte seine Gestalten Durch ätherisches Glänzen, damit nicht die Morgensterne Ueberall, wo er den irrenden Fuß ins Weltgebäu setzte,

Ueber sein finstres Ansehn in stillem Triumphe sich freuten. Doch dieß helle Gewand war ihm bald unerträglich; er eilte, Aus deu Bezirken der göttlichen Herrschaft zur Hölle zu kommen. Jtzo hatt er sich schon bey den äußersten Weltgebäuden

Stürmisch herunter gesenkt. Unermeßliche dämmernde Räume Thaten vor ihm wie unendlich sich auf. Die nennt er den Anfang Seiner von ihm durchherrschten Bezirke. Hier sah er von ferne Flüchtigen Schimmer, so weit die äußersten Sterne der Schöpfung

Noch das unendliche Leere mit matten Strahlen durchirrten. Doch hier sah er die Hölle noch nicht; die hatte die Gottheit Fern von sich und ihren Geschöpfen, den seligen Geistern, Weiter hinunter in ewige Dunkelheit eingeschlossen.

Denn in unserer Welt, dem Schauplatz ihrer Erbarmung, War kein Raum für Oerter der Quaal. Der Ewige schuf sie Furchtbar, zum Verderben, zu seinem strafenden Endzweck, Prächtig und vollkommen. In drey erschrecklichen Nächten

Schuf er sie, und verwandte von ihr sein Antlitz auf ewig, Jenes, mit welchem er huldreich nach seinen Geschöpfen herabsieht. Zween von den heldenmüthigsten Engeln bewachten die Hölle. Dieß war Gottes Befehl, da er sie mit mächtiger Rüstung

Segnend umgab. Sie sollten den Ort der dunklen Verdammniß Ewig in seinen Bezirken erhalten, damit nicht Satan Kühn mit seiner verfinsterten Last die Schöpfung bestürmte, Und das Antlitz der schönen Natur durch Verwüstung entstellte.

Wo sie beym Eingang der Hölle mit herrschendem Angesicht sitzen, Von da senkt sich ein strahlender Weg, wie von Zwillingsquellen Ein krystallener Strom, in geradefortlaufender Länge Gegen den Himmel gekehrt, nach Gottes Welten hinüber,

Daß es ihnen in ihrer Entfernung an frommen Vergnügen, Ueber die mannichfaltige Schönheit der Schöpfung, nicht fehle. Neben diesem helleuchtenden Wege kam Satan zur Hölle, Und gieng unsichtbar durch die eröffneten Höllenpforten.

Drauf hub er sich in einem von Schwefel dampfenden Nebel Langsam auf seinen gefürchteten Thron. Jhn sahe kein Auge Unter den Augen, die Nacht und Verzweiflung trübe verstellten. Zophiel nur, ein Herold der Höllen, entdeckte den Nebel,

Der die erhabenen Stufen hinaufzog, und sagte zu einem, Der gleich neben ihm stand: kehrt Satans oberste Gottheit Etwa zur Hölle zurück? Verkündigt der dampfende Nebel Seine von allen Göttern so lange gewünschte Zurückkunft?

Indem, da er noch sprach, so floß der umhüllende Nebel Ringsum von Satan; er saß auf einmal mit zornigem Antlitz Fürchterlich da. Gleich eilte der flüchtige sclavische Herold Gegen die Feuergebirge, die sonst mit Strömen und Flammen

Satans Ankunft dem Abgrund in allen Gegenden kund thun. Zophiel stieg auf Flügeln des Sturms durch die Hölen des Berges Gegen die dampfende Mündung empor. Ein feuriges Wetter Machte darauf den ganzen Bezirk der Finsterniß sichtbar.

Jeder erblickte den schrecklichen König in schimmernder Ferne. Alle Bewohner des Abgrunds erschienen. Die mächtigsten eilten Neben ihm auf die Stufen des Throns sich niederzusetzen.

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