Jmmer noch in ihr Leiden versenkt, und schmachtend nach Troste War in der Hütt’ am Tempel die jammervolle Versammlung, Wie an der glanzverbergenden Decke der näheren Zukunft Oft Schnellsterbende dicht schon wandeln, und dennoch weinen!
Und die heiligen Weiber vermischten mit Oele, der Würze Blume, zur Salbung des Mittlers, und Thränen rannen darunter. Wie die weisen Begleiterinnen des Bräutigams wachsam Waren, und ämsig, die Flamme der Lampe zu nähren, damit sie
Jhm entgegen kämen, so bald er erschiene; so wart ihr Auch, Nachfolgerinnen des Mittlers, bereit bey der Dämmrung Erstem Winke zu seyn, mit eilender Sorge beschäfftigt. Doch sie erwarteten nicht der Morgendämmerung Ankunft;
Nacht noch war es beynah, da sie die Jünger verliessen. Die aus Magdala’s Hütten, und Kleophas Weib, Maria, Und Johanna, mit ihr die Schwester der leidenden Mutter, Salome, dann die zu zärtliche Mutter der Zebedäiden
Waren Führerinnen … Jhr Lieben, ihr seht ihn noch Einmal, Sprach bey dem Abschied die Mutter, ich aber seh ihn nicht wieder. Geht denn hin im Namen des Herrn. Sie schwiegen, und gingen. Und der Morgen athmete kalt. Sie eilten, und sprachen:
Aber wer wälzet den Stein vom Grabe? Doch dieser Kummer Hielt sie nicht auf. Wir thun, sprach Magdalena Maria, Was wir können, und schützen, so lange das Salben vermögen, Jhn vor der grauenvollen Verwesung. So sprach sie, und eilte.
Gabriel saß auf dem weggewälzten Felsen, und sagte Zu Eloa, und Abdiel, welche neben ihm schwebten: Ach kaum, daß ich vermag zu erscheinen, so beb ich vor Freuden! Seht ihr die Zeuginnen kommen? Ich will als Jüngling erscheinen,
Sonst ergriffe die armen Glücklichen, schreckte zu mächtig Meiner Herrlichkeit Schrecken. Erscheint ihr ihnen als Männer, Wenn sie mehr der Unsterblichen Glanz zu tragen vermögen. Aber der Mittler schaut’, aus seiner Verborgenheit Hüllen,
Auf die Engel herab, und auf die kommenden Menschen, Freute sich jene göttlichen Freuden, die Blut ihm erkaufte! Und die Bewohnerinn Magdala’s kam, sah offen das Grabmaal, Weggewälzet den Fels, floh, riefs den Andern entgegen,
Eilte zurück nach Jerusalem. Aber die Kommenden liessen Sich nicht schrecken, und gingen heran. Da erblickten sie schleunig Auf dem Felsen, der weggewälzt an der Oeffnung des Grabs lag, Einen Jüngling, der schimmerte. Seine Gestalt war dem Blitze,
Gleich dem Schnee sein Gewand. Er sprach mit der Stimme der Wonne: Fürchtet euch nicht! Ich weis, daß ihr den Gekreuzigten suchet, Jesus! Er ist nicht hier! Er ist von den Todten erstanden, Wie er verkündiget hat. Kommt her, und sehet die Stäte,
Wo der Göttliche ruhte. Da führt’ er sie in das Grabmaal. Gehet eilend nun hin, und sagt es den Jüngern, und sagt es Kephas: Er sey von den Todten auferstanden. Und siehe, Jesus gehet hinab nach Galiläa. Da werdet
Jhr ihn sehn. Nun eilt, und verkündets den Zwölfen. … Sie blieben Unentschlossen, und zitterten säumend. In Strahlengewanden Traten noch zween der Engel herein. Sie erschracken, und schlugen Zu der Erd’ ihr Angesicht nieder. Was sucht ihr, so sprachen
Diese Männer, unter den Todten, den Lebenden? Hier ist Jesus nicht. Erstanden ist er. Gedenkt, was er sagte, Als er in Galiläa noch war. In die Hände der Sünder Muß der Sohn des Menschen gegeben werden, gekreuzigt
Muß er werden, erwachen am dritten Tage vom Tode! Jetzo eileten sie mit Beben, und großer Freude, Liefen, es nun den Jüngern des Herrn zu verkündigen. Petrus Und Johannes kamen indeß mit Magdale wieder.
Als sie aus Jerusalem gingen, sagte Johannes Seinen Gefährten: Der Weg an jenen Sträuchen hinunter Ist ein schnellerer Weg. Er führt’, ihm folgten die Andern. Wo einander am meisten die beyden Wege sich nahten,
Sondert’ ein Hügel sie nur. Von diesem Hügel geschieden, Gingen sich, ohn’ einander zu sehn, die heiligen Weiber, Und die Jünger vorüber. So nahn oft Pilger nach Salem, Deren Seelen sich gleich, und für einander gemacht sind,
Sich in diesem Leben, und fehlen sich dennoch. In Salem Sehn sie sich erst, verwundernd, daß sie sich hier nicht fanden. Kephas sprach zur Gefährtinn, indem sie dem Führer mit Mühe Und von ferne nur folgte: Genommen wäre der Leichnam?
Von den Priestern? Allein die haben, sagt man, den Grabstein Ja versiegelt! So haben ihn denn Elende genommen, Jhn des Todtengewands zu berauben. Er sprachs, und Johannes War dem Grabe schon nah. Gelegt erblickt’ er die Leinen,
Aber er ging, voll unentschlossenen Kummers und Ehrfurcht, Nicht hinein. Nun kam auch athemlos Petrus, und eilte So wie er kam, in das Grab. Er sahe das Tuch, das des Todten Haupt umwand, besonders gelegt, und nicht bey den Leinen,
Fand es zusammengewickelt. Jhm folgte Johannes ins Grabmaal, Sahs, und überzeugte sich ganz von Magdale’s Botschaft. Aber davon, daß, nach der Propheten Gesichte, der Mittler Aufstehn müsse, wußten sie nichts. Sie liessen das Grabmaal,
Und Maria. Wofern, sprach Petrus im Gehn zu Johannes, Sich die Priester anders entschlossen, und ihrer Versieglung Nicht gnung trauten, gewiß ihn zu haben; so nahmen die Wüter Jhm das Todtengewand, um seine Wunden noch Einmal,
Heiß vom Durste der Rache, zu sehn. Sie gingen verstummt fort. Magdale stand vor dem Grab, und blickt’, und wischte die Thränen Schnell mit Heftigkeit weg, um zu sehen, sie blickt’, und starrte Aengstlich hinunter ins Grab. Zwar waren Engel im Grabe,
Und die erschienen ihr; doch kaum sah sie die Engel. Denn Jesus Sahe sie nicht! nicht Jesus! So sucht, mit lechzender Zunge, Nur die Quelle das schreyende Reh; die Sonne, die aufgeht, Sieht es nicht, es fühlt nicht die wehenden Schatten des Waldes.
Weib, was weinest du? sprachen zu ihr die Boten der Wonne. Ach, sie haben, den meine Seele liebet, genommen, Und ich weis nicht, wohin sie ihn legten? So sprach sie, und wandte Sich von dem Grabe. Da sieht sie Jesus stehen, und weis nicht.
Daß es Jesus ist. Was weinest du, Weib? wen suchst du? Doch dieß sprach er noch nicht mit der Stimme des ewigen Lebens! Und sie erwiedert dem Gärtner, sie meinte, sie sähe den Gärtner; Hast du ihn weggenommen; wohin hast du ihn getragen?
Ach in welche Finsterniß, daß ich eil’, und ihn suche. Nahe, wie sie, der unaussprechlichsten Seligkeit, weint so Selbst ein Geliebter des Herrn, wenn seiner Sterblichkeit letztes, Aber stärkstes Gefühl die ganze Seel’ ihm erschüttert.
Ach er liegt, und ringt mit dem Tod’, und dürstet nach Hülfe! Weint zu Christus, und kennt, so schreckt ihn der Prüfungen letzte! Kennt den Liebenden kaum; sieht nur den Richter der Welten! Doch zwo Thränen nur nach; und welche Wonn ist die seine!
Selber von dem, mit dem sie von Jesus redete, wendet, In der Traurigkeit ihrer Seele, Maria ihr Antlitz, Aber wie Harfen am Throne, wie Jubel der Ueberwinder, Singen sie, ganz in Liebe zerflossen, das Lamm, das erwürgt ward,
Nicht wie Harfen der Ueberwinder, und Jubel am Throne, Inniger, herzlicher, liebevoller, erscholl des Erstandnen, Jesus Stimme der Weinenden, Jesus Stimme: Maria! … Und sie hört’, und erkannte die Stimme des Herrn, und indem sie
Kaum sich ihrer bewußt, in der Angst der Freude hinsank, Bebend, und bleich in den Staub hinsank zu den Füßen Christus, Strebte sie, was sie empfand, dem Erstandenen zuzurufen, Aber sie stammelt’, und athmete kaum, und blickte den Herrn an,
Weint’, und stammelte nur mit leisem Erstaunen: Rabbuni! …
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